Von der Straße ins Wohnzimmer

Kiwikater4

– Katze und Baby – geht das? Teil 3 –

Da saß er nun, der ehemals kleine, zierliche Kater und schaute mit großen Augen zu mir herauf. Als ich die Terrassentür öffnete, ertönte augenblicklich ein schüchternes „Miau!“ aus seinem Mund. Ich runzelte die Stirn, während ich ihn kraulte.

Die Zecken vom Vortag waren noch immer deutlich fühlbar und er schien auch schon wieder Hunger zu haben. Selbst wenn dieser Kater ein Herrchen oder ein Frauchen haben sollte – sie schienen sich nicht sonderlich gut um ihn zu kümmern. Also verwarf ich meine Zweifel und begann damit, ihn zu füttern. Auch die Zecken entfernten wir vorsichtig. Überraschender Weise ließ der Kiwikater diese Prozedur ohne Murren über sich ergehen.

Da Kiwipapa laut Arzt allergisch auf Tierhaare reagierte, verhinderten wir in den ersten Tagen, dass der kleine Kater unsere Wohnung betrat – das hielten wir allerdings nicht lange durch. Irgendwann schaffte er es, sich geschickt an uns vorbeizuschlängeln und das Wohnzimmer zu erkunden. Da Kiwipapa eigentlich schon immer gern eine Katze gehabt hätte (ich sowieso), ließen wir ihn gewähren. Fortan durfte der Streuner also auch in unser Wohnzimmer… und bald darauf auch in den Rest der Wohnung.

Jeden Morgen saß der Kiwikater fortan pünktlich gegen 6 Uhr vor unserem geöffneten Schlafzimmerfenster und weckte uns mit seinem lauten Miauen. Jeden Morgen standen wir daraufhin auf (das taten wir damals sowieso zu dieser Zeit), stellten ihm sein Futter nach draußen und schmusten noch eine Weile mit ihm. Da sich der Kiwikater seitdem so gut wie den ganzen Tag bei uns auf der Terrasse oder in der Wohnung aufhielt, war uns irgendwann klar, dass er keinen Besitzer haben konnte. Oder aber weggelaufen war.

Wir verbrachten einige Tage in dieser wohligen Ungewissheit und genossen einfach nur die Anwesenheit des kleinen Geschöpfes. Und doch stellte ich sie irgendwann: Die Frage, die mir schon die ganze Zeit im Kopf herumschwirrte, die ich mich allerdings bisher nicht zu stellen getraut hatte.

„Und was machen wir jetzt mit ihm?“

Kiwipapa, der sich mittlerweile ebenfalls in diesen Kater verliebt hatte, zuckte ein wenig bedrückt mit den Schultern.

„Ich merke von meiner Allergie nicht viel, aber was, wenn sich das ändert? Er wohnt ja nicht hier.“

„Und wir wissen immer noch nicht zu 100%, dass er niemandem gehört“, ergänzte ich unwollend.

Schweigen.

Wir merkten beide: Eigentlich wollten wir das Gleiche. Wir wollten diesen süßen, anhänglichen Kater behalten. Mit unserem Gewissen hätten wir das zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht vereinen können. Also schmiedeten wir einen Plan, der ein Zusammenleben auf Probe beinhaltete.

Zunächst fuhren wir mit dem Kiwikater zum Tierarzt, um checken zu lassen, ob er gechippt war. War er nicht, wie sich herausstellte. Dafür aber kastriert. Sein Gesundheitszustand war gut.

Wir begannen damit, die Nachbarn nach dem Kater zu befragen, Anzeigen im Internet zu schalten und Flugblätter auszuhängen. Von den Nachbar erfuhren wir, dass es sich wohl tatsächlich um einen Streuner handle, „der schon seit Ewigkeiten hier herumläuft“. In dieser Zeit ließen wir den Kiwikater komplett bei uns wohnen – auch wenn er die Nacht trotzdem am liebsten draußen verbrachte. Nachdem sich nach drei Monaten noch immer niemand auf unsere Anzeigen gemeldet hatte und Kiwipapa auch nichts von seiner Allergie bemerkte, entschlossen wir uns schließlich dazu, den Kiwikater chippen zu lassen und aufzunehmen.

Eine Entscheidung, die wir bis heute niemals bereuten.

Auch den Umzug in ein anderes Haus machte er ohne Probleme mit. Er ging mit uns Spazieren (ohne Leine, er lief uns einfach hinterher), schlief am Fußende unseres Bettes, kuschelte, schmuste und… kratzte und biss. So anhänglich er auch war und so gern er uns auch mochte: Man merkte immer, dass es sich um einen ehemaligen „Straßenkater“ handelte. Fasste man ihn falsch an oder passte ihm etwas nicht, fing man sich schon mal einen Kratzer ein. Dieses Verhalten besserte sich jedoch nach und nach und er lernte, immer sanfter mit uns umzugehen. Aber: Es dauerte. Und als ich dann schließlich erfuhr, dass ich tatsächlich schwanger war, begann ich damit, mir Gedanken zu machen.

Wie würde er sich bei einem Baby verhalten? Was, wenn er eifersüchtig werden würde? Sich mal vor einer plötzlichen Bewegung erschrickt?

Um den Kiwikater so gut es ging auf die neue Situation vorzubereiten, ergriffen wir daraufhin einige Maßnahmen. Welche das waren und wie sich unser kleiner (großer) Kater mit Kiwi versteht, erfahrt ihr im nächsten Teil.

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