Vom Rowdy zum Gentleman

Kiwikater3

– Katze und Baby – geht das? Teil 4 – 

Wie ich ja bereits im letzten Teil dieser Mini-Serie schrieb, hatten wir uns mit dem Kiwikater einen kleinen Straßenrowdy ins Haus geholt. Zwar war er ebenso anhänglich und schmuste gerne, doch seine Straßenkater-Manieren wurden immer wieder sichtbar. Streichelte man ihn „falsch“, spielte zu übermütig mit ihm oder lief während seiner Spielstimmung durch sein Sichtfeld, fing man sich schon mal leicht einen Kratzer oder sogar Biss ein. Zwar besserte sich sein Verhalten im Laufe der Zeit, je mehr er uns vertraute, allerdings war er noch immer weit davon entfernt, ein echter „Schmusekater“ zu sein.

Wir gaben ihm Zeit sich anzupassen, doch als ich schließlich schwanger wurde , kamen langsam erste Bedenken was das Thema Katze und Baby anging. Was, wenn er eifersüchtig auf den Neuankömmling reagieren würde? Vielleicht sogar aggressiv?

Wir begannen also damit, unseren wilden Kater auf das Baby vorzubereiten. Wie wir dabei vorgegangen sind, erfahrt ihr in den folgenden Punkten:

1. Wir verbannten ihn schon während der Schwangerschaft aus unserem Schlafzimmer

Ja, der Kiwikater hatte es sich nachts am Fußende unseres Bettes gemütlich gemacht. Angewöhnt hatte er sich dieses Verhalten nach unserem Umzug in ein neues Haus und wir ließen ihn gewähren, weil er in dieser fremden Umgebung unsere Nähe brauchte. Allerdings gewöhnten wir ihn diese Gewohnheit danach nicht mehr ab. Bis zum Zeitpunkt meiner Schwangerschaft.

Ich wollte auf keinen Fall, dass der Kiwikater nachts „unbeaufsichtigt“ im gleichen Zimmer wie Kiwi schlafen würde. So sehr er sich mittlerweile auch geändert hatte, das war ein Risiko, das ich nicht eingehen wollte. Um allerdings zu verhindern, dass er bei der Ankunft des Babys eifersüchtig werden könnte, wenn wir ihn erst dann plötzlich von seinem Schlafplatz vertrieben, gingen wir dieses Projekt bereits in der Schwangerschaft an.

Wir gingen also abends wie immer nach oben, der Kiwikater kam wie immer nach und sprang schon auf seinen Platz im Bett. Mein Mann und ich warfen uns einen kurzen Blick zu, streichelten den kleinen Stubentiger noch kurz, nahmen ihn dann hoch und trugen ihn aus dem Zimmer. Vom Boden aus dem Flur sah er verwirrt zu mir auf und machte Anstalten, mir gleich wieder in das Schlafzimmer zu folgen. Ich redetet jedoch ruhig mit ihm und machte dann langsam die Tür vor seiner Nase zu. Als alternativen Schlafplatz hatten wir übrigens eine gemütlich Wolldecke in einem Nebenzimmer für ihn vorbereitet.

Es kam aber, wie es kommen musste und wir hörten das erste leise Miauen vor der Tür. Dann folgte ein Kratzen. Das ignorierten wir bedrückt in der ersten Nacht (er hörte auch nach etwa 5 Minuten damit auf). Am nächsten Morgen allerdings entdeckten wir Kratzspuren an der Tür des von uns gemieteten (!) Hauses und ich recherchierte ein wenig im Internet. Dort fand ich bei diesem Problem diverse Tipps (von Anschreien bis hin zu leichten Elektroschlägen…), von denen mir aber nur einer zusagte: Mit der Hand von der anderen Seite einmal gegen die Tür hauen. Die Katze würde sich erschrecken, die „Zurechtweisung“ aber nicht mit den Menschen, sondern mit der Tür in Verbindung bringen. Ein kurzes Erschrecken brachten wir gerade noch so übers Herz und als der Kiwikater in der nächsten Nacht wieder an der Tür kratzte, wendeten wir die Technik – wenn auch ein wenig widerwillig – an. Und es klappte. Es dauerte insgesamt etwa nur vier Nächte, dann hatte unser Tiger sich damit abgefunden, ab sofort nachts nicht mehr im Schlafzimmer zu verweilen und ab sofort sah unsere Routine so aus, dass wir nach oben gingen, der Kiwikater kam hinterhergerannt, drehte eine Runde durch das Schlafzimmer und ging von allein wieder hinaus. Er musste ja auch sicherstellen, dass da alles mit rechten Dingen zuging 😉

2. Wir machten aus ihm einen echten Gentleman

Der Kiwikater hatte sich mit der Zeit angewöhnt, uns auf eine ganz bestimmte Art und Weise darauf aufmerksam zu machen, dass er rausgelassen werden will: Wenn jemand auf dem Sofa saß und den Arm auf der Armlehne liegen hatte, sprang er hoch und zwickte einem leicht in die Hand. Ein Verhalten, das ich vorher irgendwie niedlich fand und da er ja nicht wirklich zubiss auch nicht versuchte zu ändern. Allerdings hatte ich nun das Bedürfnis aus ihm in Vorbereitung auf das Baby einen echten Gentleman zu machen. Und ein Gentleman zwickt niemandem in die Hand, um auf sich aufmerksam zu machen.

Ab sofort ignorierte ich diese Geste und sagte mit ruhiger Stimme so etwas wie „Nein, so nicht“. Das verstand er natürlich nicht und versuchte es erneut. Auch dieser Versuch wurde ignoriert. Und dann kam wieder sein innerer Rowdy zum Vorschein. Das Zwicken verwandelte sich in leichtes Beißen, das ich mit einem lauten „Aua!“ quittierte wurde und ich meinen Arm von der Lehne nahm. Erst, als der Kiwikater einige Zeit wartend vor der Tür saß, ohne den Versuch zu unternehmen, mich zu beißen, ließ ich ihn raus. Diese Prozedur wiederholten wir wieder und immer wieder.

Mein eigentliches Ziel war ihn nur dazu zu bewegen, sich vor die Tür zu setzen oder anders auf sich aufmerksam zu machen, wenn er raus wollte. Was dann allerdings geschah, überraschte mich enorm.

Er sprang an der Couch hoch zu meinem Arm – ich war bereits in Alarmbereitschaft – und… stupste mich ganz leicht mit der Pfote an. Ohne Krallen, ohne viel Kraft.

Ich war im ersten Moment total irritiert, lobte und streichelte ihn aber schnell und ließ ihn sofort nach draußen. In den nächsten Tagen schien er alle Möglichkeiten des „auf-sich-aufmerksam-machens“ auszuprobieren, wobei stets nur die sanfte Methode von mir belohnt wurde. Dieses leichte Anstupsen hat er bis heute beibehalten und geht mittlerweile sogar dazu über, auf die Couch zu springen, herzukommen und einem seine Pfote auf die Schulter zu legen. Davon bin ich immer noch völlig begeistert.

Andere „raue“ Verhaltensweisen behandelten wir genau so. Streichelten wir ihn und er biss leicht zu, verbannten wir von unserem Schoß oder gingen weg. Spielten wir mit ihm und er wurde zu wild, gingen wir ebenfalls weg. Und was soll ich sagen? Dieser „letzte Schliff“  hat mittlerweile aus ihm in 95% der Fällen einen echten Gentleman gemacht! Die letzten 5% werden entweder in den nächsten Jahren von selbst verschwinden, oder aber nie vergehen, aber das ist auch völlig in Ordnung so! 🙂

Die restlichen Punkte gibt’s im nächsten Post dieser Mini-Serie!  

5 thoughts on “Vom Rowdy zum Gentleman

  1. Liebe Kiwimama,
    Wie schön, dass du bei mir kommentiert hast und ich so deinen schönen Blog gefunden habe. Und MIT KATZE! 🙂
    Wir sind ja auch Katzeneltern und mussten diese auf das Baby „vorbereiten“. Allerdings nur, indem die Madame nicht mehr ins vorherige Arbeits- und nun Kinderzimmer allein reindurfte. Aus dem Schlafzimmer konnten und wollten wir sie nicht aussperren und es ist auch trotz Kuschligkeit nie zu brenzligen Situationen gekommen. Ich liebe die Kombination von Kind und Katze … da kommt bald auch ein extra Post bei mir raus 😉

    Liebe Grüße,
    Jessi

  2. Hallo Jessi,
    juhu, noch ein Katzenfan! 😉
    Unser Kater scheint ein wenig dusselig zu sein, denn wenn Kiwi in ihrem Schlafsack liegt, dann versteht er das nicht und trampelt tatsächlich auf ihr rum. Das würde er niiiiie tun, wenn sie ohne Schlafsack da liegen würde, da hätte er viel zu viel Angst vor ihr. Insofern war es bei uns schon ganz gut, dass er nicht mehr bei uns geschlafen hat. Da habt ihr wahrscheinlich eine etwas intelligentere Katze 😉
    Auf den Post freue ich mich schon! 🙂
    Liebe Grüße
    Steffi

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