Unser #Familienmoment Nr. 9 – „Wenn sich der Schleier hebt“

Logo FamilienmomentDer Familienmoment wird dieses Mal von mir, dem Kiwipapa geschrieben. Ich hatte mir schon länger vorgenommen hier auch mal einen Beitrag zu verfassen, doch irgendwie passte das nie so richtig. Heute ist es mir allerdings ein Bedürfnis, meine Erlebnisse zu teilen, denn ich denke ich bin nicht der Einzige, der sowas erlebt hat oder vielleicht auch mal erleben sollte.

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Der heutige Familienmoment ist in dem Sinne auch kein Moment sondern eher ein Zeitraum – vielleicht eher ein Familiennachmittag. Um ihn zu beschreiben ist es allerdings wichtig, den Kontext zu kennen. Seit Kiwis Geburt hat sich natürlich nicht nur im Leben von Kiwimama, sondern auch in meinem Vieles geändert. Durch Kiwi hat das Leben für mich noch einen ganz anderen Sinn bekommen und ich bin wahnsinnig froh über und stolz auf unsere kleine Tochter. Doch trotz dieser vielen positiven Veränderungen ist unser Alltag natürlich auch deutlich anstrengender und stressiger geworden. Gerade für uns als unerfahrene Eltern war vieles noch Neuland und es hat seine Zeit gedauert, bis eine gewisse Routine in unseren Tagesabläufen eingekehrt ist und wir in unsere neuen Rollen gefunden haben. Das alles hat dann aber irgendwann „funktioniert“. Unser Umzug im Dezember hat den Stresslevel allerdings nochmal gewaltig erhöht. Neben dem ganz normalen Familienleben und dem Job musste ein ganzer Umzug vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet werden.

Das „Funktionieren“ hatte nun oberste Priorität und vieles andere wurde dabei automatisch ausgeblendet. Wir sind bis heute nicht wirklich mit dem Umzug fertig. Drei Zimmer und der Flur sind noch längst nicht so weit wie ich es gerne hätte. Es hängen noch nicht alle Bilder und Lampen an den richtigen Stellen, es sind noch nicht alle Kartons ausgepackt und Möbel aufgebaut und in so einem Haus gibt es ja bekanntlich auch allgemein immer etwas zu tun. Da ich leider etwas perfektionistisch veranlagt bin, fällt es mir nicht leicht diese Dinge einfach mal liegen zu lassen und all diese noch zu erledigenden Punkte geistern neben den ohnehin schon recht vielfältigen Gedanken aus Familienleben und Job in meinem Kopf herum. Da das allerdings so viele ToDos sind, habe ich irgendwann blockiert und nicht mehr alles erledigt, sondern Vieles ausgesessen, anstatt es anzugehen. Man könnte das vielleicht als Meerschweinchenstarre bezeichnen. 🙂 Das hat natürlich zu Unbehagen geführt und dem Gefühl, es weder mir noch den Personen um mich herum recht machen zu können.

Ein tolles Gespräch mit Kiwimama gestern Mittag hat mir die Augen geöffnet und ich habe erkannt, dass mich dieses Gedankenkarussel in Dauerstress versetzt hat. Dadurch sind viele Momente einfach an mir vorbeigerauscht, anstatt sie bewusst zu erleben.

Ich habe nun beschlossen, einiges zu ändern. Ich möchte bewusster Momente mit der Familie genießen und auch bewusster teilhaben und hinschauen, anstatt einfach zu funktionieren und in Gedanken schon bei der nächsten Aufgabe zu sein. Damit mir das leichter fällt, möchte ich versuchen mehr Struktur in anstehende Erledigungen zu bekommen, indem wir diese gemeinsam sammeln, priorisieren und uns in festeren Zeiträumen daran arbeiten.  Danke an Kiwimama, dass Du mir bei diesen Erkenntnissen so sehr geholfen hast!

Heute Nachmittag habe ich nun ganz bewusst versucht, alles andere auszublenden und einen richtigen Familiennachmittag daraus zu machen. Ich habe natürlich auch vorher schon viel Zeit mit meiner Familie verbracht, doch meine Gedanken waren nie exklusiv dabei. Sich dessen bewusst zu sein hat mir heute unheimlich die Augen geöffnet und ich habe den Nachmittag ganz anders als sonst erlebt. Wirklich bewusst und auschließlich mit Kiwi und Kiwimama zu spielen, zu lachen, Kiwi zu füttern und ins Bett zu bringen war ein besonderes Erlebnis, dass ich eigentlich jeden Tag haben könnte, wenn mein Kopf nur frei wäre. Sich darauf einzulassen, mal so richtig mit Kiwi herumzualbern, totalen Blödsinn ohne jeden tieferen Sinn zu machen und dabei ihr Lachen zu genießen war einer dieser besonderen Momente. Es ist fast so als wäre ein Schleier von den Augen gefallen – kaum zu beschreiben, doch ich hoffe das einigermaßen erklärt zu haben. Auf jeden Fall war das heute für mich etwas ganz Besonderes und ich will unbedingt versuchen, an mir zu arbeiten und die Familie viel bewusster zu erleben. Vielleicht schreibe ich ja auch nochmal einen zweiten Post darüber. 🙂

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Mehr #Familienmomente findet ihr wie immer bei Küstenkids unterwegs.

12 thoughts on “Unser #Familienmoment Nr. 9 – „Wenn sich der Schleier hebt“

  1. Danke, lieber Kiwipapa, ich finde, Du schilderst einen ganz wichtigen Gedankengang. Diesen Stress und das „Funktionieren-Müssen“ kennen sicher viele Eltern – wir auch. Wie schön, dass Ihr Euch trotzdem Zeit für einen Familiennachmittag nehmen konntet! Das und natürlich Dein Schreiben schreien geradezu nach einer Wiederholung 😉

    Viele liebe Grüße und herzlich willkommen im #Familienmoment-Club

    Deine Küstenmami

    1. Vielen Dank für die netten Worte! Ich werde sicherlich nochmal in ein paar Wochen ein Follow-Up schreiben und bin selbst gespannt, ob die guten Ansätze auch anhalten. Ich wünsche es mir auf jeden Fall! 🙂

  2. Das ist echt spannend das Ganze mal aus Männersicht zu lesen. Ja, es ist gar nicht immer so einfach sich auf diese schönen Momente einzulassen. Auch mir geht es oft so, dass ich in Gedanken schon überlege, was ich noch alles erledigen muss … Job, Haushalt, Kindergartenantrag, Impfungen, Auto zum TÜV bringen … Alle möglichen Sachen schwirren einem durch den Kopf, während da ein kleines Wunder einfach im Jetzt lebt und nicht in Gedanken schon tausend Dinge erledigt. Wenn man das auch hinbekommt, so wie du an diesem Nachmittag, ist das immer etwas ganz Besonderes. Wir können echt dankbar sein, dass wir so etwas erleben dürfen. Schöner Artikel 🙂

    1. Ich hoffe das ist einfach Übungssache. Klar kann man nicht immer alles andere ausblenden aber vielleicht hilft es einfach nicht alles auf einmal machen zu wollen und sich bewusster die Zeit einzuteilen. 🙂

  3. Schöner Beitrag! Wie Nätty sagt: interessant, das von einem Mann zu lesen. Meiner Erfahrung nach sind es eher die Frauen, die noch tausend Sachen im Hinterkopf haben und sich deshalb nicht richtig auf die Kinder bzw. das Leben allgemein einlassen können. Insofern danke, dass ihr das mit uns geteilt habt. Ich finde es ungewöhnlich, aber beruhigend, solche Gedanken von einem Mann zu lesen. Mein Mann hat nicht mal einen Kalender…:-)
    Liebe Grüße!

  4. Ein sehr schöner Beitrag und ein Lob an den Kiwipapa! Auch dem Herzensmann viel es am Anfang schwer zu Hause abschalten zu können. Viele Dinge schwirrten auch ihm im Kopf herum – ähnlich wie bei dir. Es war ein langer Entwicklungsprozess, aber heute legt er das „Arbeite-Ich-Muss-Noch-Gedankenkarrussel“ mit seiner Jacke und seinen Schuhen ab, wenn er nach Hause kommt. Auch im Urlaub kann er mittlerweile vollends entspannen und jede Minute genießen. An den Wochenenden „arbeiten“ wir noch…. Das liegt aber vermutlich daran, dass der Herzensmann beruflich unter der Woche viel unterwegs ist und sich gemeinsame Arbeiten an den Wochenenden ballen… Da klappt das Abschalten bei uns beiden nur bedingt. Aber was noch nicht ist kann ja noch werden ;-)!
    Ich würde mich freuen, wenn ich mehr von dir auf dem Blog zu lesen bekäme!

    Liebe Grüße
    Mother Birth

    1. Hallo Mother Birth,
      vielen Dank! Darf ich fragen wie dein Mann das gemacht hat? Was war sein Trick? 🙂
      Viele Grüße,
      Kiwipapa

    2. Ich glaube, da gibt es keinen besonderen Trick 😉 … Das Zauberwort hat hier wohl eher ZEIT. Wenn man erst einmal erkannt hat, dass man ein „Problem“ mit dem Abschalten hat, dann hat man aus unserer Erfahrung schon die halbe Miete 🙂
      Dann muss man im Alltag versuchen achtsam zu sein, wenn man merkt, dass sich das Gedankenkarrussel wieder schneller dreht. Da kann auch der Partner behilflich sein, indem er darauf aufmerksam macht. Selbstreflexion hilft: am Ende der Woche zu fragen – ein Resümee zu ziehen – wie gut habe ich es in den vergangenen 7 Tagen geschafft abzuschalten, wann konnte ich es nicht und wieso.
      Mehr Tipps habe ich leider nicht 😉

      Liebe Grüße
      Mother Birth

    3. Danke für den Tipp! WIr wollten sowieso zukünftig ein Mal pro Woche die nächste Woche grob durchplanen. Da könnte man dann ja auch super einen Rückblick auf die vergangene Woche einbauen. 🙂

      Viele Grüße,
      Kiwipapa

  5. Schön, von dir zu hören bzw zu lesen.
    Es freut mich, dass es dir gelungen ist, die unausgepackten Umzugskartons und die lange ToDoList vollständig auszublenden und das Familienleben zu genießen. Ich wünsche dir, dass dir das von nun an häufiger gelingen wird. Wir haben hier übrigens auch noch viele Baustellen und ToDoListen, mal fällt es und leichter, mal schwerer, das auszublenden. Du bist also nicht allein damit.

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