Schwierige Entscheidung – Einleitung ja oder nein?

Entscheidung

 

– Schwangerschaftsrückblick Teil VI –

„Tja, wenn sich übermorgen nichts tut, dann müssen wir einleiten!“

Bei diesem Satz in den Ohren klingelten bei mir sämtliche Alarmglocken. Ich saß auf der Untersuchungsliege der Ärztin im Krankenhaus – meine Frauenärztin war ausgerechnet jetzt gerade im Urlaub und die Vorsorge wurde dort weiter fortgeführt – und spürte, wie ich mich völlig verkrampfte und Kiwipapa einen vielsagenden Blick zuwarf.

Nachdem Kiwi ein wenig auf sich warten ließ – wir waren mittlerweile bei ET +5 angekommen – hatte ich mich mit diesem Thema schon ein wenig ausführlicher auseinandergesetzt. Und meine Einstellung war eigentlich klar: Ich wollte keine Einleitung, wenn es nicht medizinisch notwendig war! Denn nur allzu oft hatte ich gelesen, enden Einleitungen im Kaiserschnitt. Und etwas Schlimmeres als einen Kaiserschnitt konnte ich mir als Geburtsweg kaum vorstellen. Nicht unbedingt, weil ich den „Hormon-Kick“ nach einer spontanen Geburt verpassen würde, sondern, weil ich wusste, mich danach nicht so um mein Baby kümmern zu können, wie ich es wollte.

„Sie kommen dann am besten gleich mit Klinikkoffer in die Klinik“, fuhr die Ärztin fort, während sie sich die Hände wusch.

„Ist das denn tatsächlich nötig?“, fragte ich schließlich. Im Ultraschall gerade eben hatte alles gut ausgesehen und auch die CTGs waren nie auffällig gewesen. Die Ärztin schien ein wenig überrascht, über die Frage. Das wiederum überraschte mich. War es wirklich so selten, dass jemand diese Entscheidung hinterfragte?

„Na ja, das Kind ist schon recht groß. Wir schätzen es auf so 4000 Gramm. Da sollte wir nicht mehr so lange warten.“

Ich runzelte skeptisch die Stirn, was der Ärztin aber scheinbar reichte, um mein Befinden zu deuten. Sie lenkte ein:

„Wir können aber auch noch ein bisschen warten, wenn Ihnen das lieber ist. Sie haben noch genug Fruchtwasser und ansonsten sehe ich auch keine Auffälligkeiten. Wenn wir nach Lehrbuch vorgehen, leiten wir bei ET +7 ein, aber das müssen wir nicht.“

Ich nickte erleichtert. „Ja, das wäre mir lieber.“

„Gut, dann kommen Sie morgen trotzdem zum CTG und zum Ultraschall vorbei.“

Gesagt getan. Wieder keinerlei Auffälligkeit, aber auch immer noch keine Wehen in Sicht. Die Warterei nahm langsam sehr schwer auszuhaltende Ausmaße an, jetzt, da der Begriff „EINLEITUNG“ in großen Lettern über unseren Köpfen zu schweben schien. War es klug von mir, sich dagegen zu wehren? Langsam begannen die Zweifel an mir zu nagen. Beim Ultraschall am nächsten Tag behandelte mich die gleiche Ärztin wie tags zuvor.

„Noch immer alles wunderbar. Wie gesagt, müssten wir eigentlich ab morgen einleiten. Ich werde am Wochenende keinen Dienst haben, am besten besprechen Sie dann morgen noch einmal mit meiner Kollegin das weitere Vorgehen. Vorsichtshalber würde ich gleich mit dem Klinikkoffer kommen. Nur für alle Fälle.“

Die diensthabende Hebamme befand sich zu diesem Zeitpunkt mit im Untersuchungsraum und brachte mich anschließend noch einmal in den Kreißsaal. Wir machten einen Termin für das CTG morgen aus, danach hielt sie kurz inne und meinte dann: „Wir haben uns noch gar nicht darüber unterhalten, wie du zum Thema Einleitung stehst.“

Ich atmete ein wenig erleichtert auf. Endlich mal jemand, der mich nach meiner Meinung fragte und nicht versuchte, für mich zu entscheiden. Ich erzählte ihr von meinen Bedenken, mittlerweile jedoch mit argen Zweifeln, ob diese nicht vielleicht übertrieben seien. Wenn so auf die Einleitung gedrängt wurde, war sie dann vielleicht wirklich notwendig? Schadete ich Kiwi mit meiner Sturheit? War sie wirklich so groß? Zu meiner tiefen Erleichterung jedoch, stimmte mir die Hebamme vollkommen zu. Auch meine Sorge, dass eine Einleitung oft mit einem Kaiserschnitt ende, bestätigte sie mir.

„Die unkompliziertesten Geburten sind immer die, bei denen man so wenig wie möglich eingreift. Und es stimmt – Einleitungen enden tatsächlich oft im Kaiserschnitt. Ich war ja gerade bei der Untersuchung dabei. Es gibt eigentlich keinen Grund für eine Einleitung, außer, dass das das standardisierte Vorgehen hier ist.“

„Und was ist mit der Größe?“, fragte ich zögernd.

Die Hebamme winkte ab. „Das sind ganz grobe Schätzungen. Außerdem wird sie in den nächsten Tagen nicht mehr wahnsinnig viel wachsen, sondern nur etwas an Fett zunehmen. Und das ist bei der Geburt weniger dramatisch, das drückt sich ja einfach weg.“

Wir redeten noch einige Zeit über dieses Thema und ich spürte, wie mir Stein um Stein um Stein vom Herzen fiel. Die Hebamme bestätigte mich immer wieder in meiner Meinung und wurde mir immer sympathischer. Ich merkte, dass wir beim Thema Geburt auf einer Wellenlänge waren und ich wünschte mir insgeheim, dass sie mich bei Kiwis Geburt begleiten würde. Und – kleine Spoiler vorweg – das tat sie sogar! 🙂

Und so erschien ich am nächsten Tag wieder zum CTG – ohne Koffer.

2 thoughts on “Schwierige Entscheidung – Einleitung ja oder nein?

  1. Hachja…also ich kann nur sagen: Ich hatte Einleiten. Ich war drüber, einige Tage und der CTG wies einige Unregelmäßigkeiten auf. Bis dato gab es aber keinerlei Wehen, weder Vor- noch Senkwehen oder irgendetwas, was daran erinnern könnte.
    Ich lag 5 Tage auf der Vorwehenstation und bekam jeden Tag Gel gelegt, das massiv wirkte und am nächsten Tag wieder verflogen war und nix tat sich. Am 5. Tag kam dann der Tropf.

    Also ich kann nur sagen: Wenn ich wüsste, dass KInd nr 2 auch wieder fast 5 Kilo haben würde, würde ich von vornerein andere Maßnahmen verlangen, denn das war alles so gar nicht schön und sehr knapp.
    Erfreulicher Weise entwickelt sich Kind 2 aber altersgerecht und nicht so groß wie sein Bruder, so dass ich guter Hoffnung bin.

    Die Erfahrung der Einleitung war zumindest bei mir nicht die angenehmste, bei anderen hat sie sofort gewirkt und Erleichterung verschafft. Fällt bei jedem anders aus.

  2. Oh je, das hört sich gar nicht schön an! Ich habe im Krankenhaus auch so viele Frauen herumlaufen sehen, bei denen eingeleitet wurde und sich wieder und wieder nichts tat, außer, dass sie immer wieder Wehen bekamen, die dann wieder verflogen.
    Klar, bei anderen kann es dann wieder ganz anders sein. Das sollte man definitiv auf sein Bauchgefühl hören!

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