Meine Ausbildung zum Ninja

Ninja

 

Stille.

Ich höre nur meinen eigenen Herzschlag. Mein Atem geht flach und leise. Zögerlich blicke ich zum Treppenaufgang vor mir. Dort oben ist mein Ziel. Ich kann es erreichen. Ich weiß, dass ich es kann.

Konzentriert spanne ich sämtliche Muskeln in meinem Körper an, ziehe geräuschlos mein Bein an mich heran und stelle es auf den Boden. Das weiche Leder unter mir knistert ein wenig bei dieser Bewegung. Ich kenne die Tücken meines Sitzes und übe auf das Polster unter mir an den richtigen Stellen Druck aus, während ich aufstehe, damit es nicht knarrt. In einer fließenden Bewegung hieve ich mich auf die Beine. Ein kurzer, schneller Blick nach rechts. Alles ruhig. Die erste Hürde habe ich erfolgreich genommen. 

Ich wage den ersten Schritt und erstarrte. Verflucht, meine Hose macht Geräusche beim Laufen. Das verschärft die Anspannung. Ich versuche meinen Herzschlag zu beruhigen und gehe weiter. Gekonnt lasse ich die knarrenden Stellen am Boden aus. Ich nähere mich der Treppe, gleich ist es geschafft. Die Stufen nach oben nehme ich geschwind, der kalte Stein erlaubt es mir, mich etwas schneller zu bewegen. Oben angekommen steuere ich auf mein Objekt der Begierde zu. Hier oben bin ich sicher, es wäre nicht einmal schlimm, wenn ich gegen einen Schrank laufen würde. Meine Muskeln entspannen sich etwas. Ich schnappe mir meine Beute und sammle noch ein wenig mehr aus den anderen Zimmern ein. Doch um meine Aufgabe zu Ende zu führen muss ich wieder hinunter. Hinunter in die Höhle des Löwen.

Ich atme noch einmal tief durch, nehme die Steintreppen mit schnellen Schritten und schleiche erneut über den Boden im unteren Stockwerk hinein in einen kleinen Raum. Ich bin da, aber nun folgt der schwierigste Part. Ich platziere meine Beute auf dem Boden und schließe die Tür hinter mir. Ich weiß, ich darf sie nicht zu lange geschlossen halten, denn ich muss stets wachsam sein, um die Geräusche von draußen wahrnehmen zu können. Doch was jetzt folgt ist einfach zu laut, um den Schall in die anderen Räume dringen zu lassen. Mit klopfendem Herzen nähern sich meine Finger der Schließ- und Öffnungsapparatur des Gegenstandes vor mir. Der orangefarbene Knopf leuchtet hell und beißend. Uns verbindet eine Art Hassliebe, denn ich weiß, dass er mir helfen kann, aber er kann meine Mission auch zum Scheitern verurteilen. Ich zögere einen Augenblick, dann betätige ich den Schalter. 

KLACK!

Die kleine Tür öffnet sich. Das Geräusch ist so laut, dass ich zusammenzucke und lausche. Hinter mir noch immer Stille. Schnell führe ich meine Aufgabe zu Ende, verstaue meine Beute in der Apparatur vor mir und schleiche wieder aus dem Raum. Ein seliges Lächeln auf den Lippen. Es hat geklappt!

Plötzlich und unerwartet ein lautes Tapsen auf dem Boden. Ein schwarz-weißes Etwas kommt auf mich zugestürmt. Ich erstarre. Langsam reißt es seine leuchtenden Augen auf und stößt einen langen, lauten Schrei aus. Ich zucke zusammen, mein Blick schießt augenblicklich zu dem grau-weißen Objekt mir gegenüber, einige Meter entfernt. Ich sehe es wackeln, ich höre, wie sich im Inneren etwas bewegt.

Und dann geschieht es. Ein leises Weinen dringt aus seinem Inneren hervor.

Enttäuscht lasse ich die Schultern hängen. Meine Mission ist gescheitert, fast hätte ich es geschafft! Finster starre ich auf den Schuldigen zu meinen Füßen.

Und der Kiwikater starrt unschuldig zurück. „Miau!“, ertönt es noch einmal aus seinem Mund und er streicht um meine Beine. Er will raus. Mal wieder. Schnell öffne ich ihm noch die Tür, bevor ich zur aufgewachten Kiwi eile, die im Kinderwagen im Wohnzimmer geschlafen hat. Na ja, zumindest eine Maschine Wäsche habe ich anstellen können 🙂

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