Mein nicht vorhandener Geburtsbericht

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Lieber neuer Besucher von gestern,

ich weiß nicht, wer du bist, woher du kommst oder was deine Geschichte ist, aber ich möchte dir danken. Danken dafür, dass du mich auf etwas aufmerksam gemacht hast, das sich vorher mit Blick auf meine Statistik nur mit leichten Pieksern bei mir bemerkbar machte und, dass ich immer wieder erfolgreich verdrängen konnte. Du aber, lieber Besucher, hast diese Piekser zu einem energischen Rütteln gemacht.

Aber worum geht es überhaupt?

Wie ihr vielleicht wisst, habe ich über einen längeren Zeitraum immer wieder sogenannte Schwangerschaftsrückblicke veröffentlicht. Mir half das, meine aufgrund von extremer Übelkeit nicht so schöne Schwangerschaft zu verarbeiten und ich hatte die Hoffnung, dass ich auch anderen damit helfen konnte zu zeigen: Ihr seid nicht allein! Vielleicht konnte sich jemand mit meinen Gedanken und Gefühlen identifzieren und war beruhigt, dass es nicht nur ihm so ging. Diese Rückblicke wurden gern gelesen, doch gerade dann, wenn es „spannend“ wird und nun eigentlich der Geburtsbericht folgen sollte, laufen die Besucher ins Leere.

Einen Geburtsbericht habe ich noch nicht veröffentlicht.

„Warum nicht?“, werdet ihr euch fragen. „Ist doch nichts dabei? Davon gibt es doch schon so viele im Netz!“ Das stimmt und dieser nicht vorhandene Bericht hat auch nichts damit zu tun, dass ich mich scheue mein Erlebnis mit euch zu teilen. Glaubt mir: das würde ich sehr gerne! Tatsächlich war das Teilen dieser Erfahrung und der wirklich schwierigen ersten Zeit, die darauf folgte, der Hauptgrund für mich, diesen Blog ins Leben zu rufen. Aufgrund der Erfahrungen, die ich gemacht habe und der Verzweiflung, die ich gespürt habe bei der Frage, ob es wohl noch anderen Müttern so ergangen war wie mir? Ob ich damit alleine war? Ob ich mit all meinen Gefühlen noch „normal“ war? Ich wusste es nicht und verschloss mich innerlich immer mehr. Ich funktionierte nur noch. Bis ich nicht mehr konnte… Aber das ist eine Geschichte für die Kategorie „Wochenbett“ und wird mich wohl sogar noch mehr Kraft kosten, als mein Geburtsbericht.

Zurück zur Geburt.

Gestern klickte sich ein neuer Besucher also durch meine Schwangerschaftsrückblicke – soweit nichts Neues, denn das geschieht mehrmals am Tag. Dieser Besucher las alle Rückblicke und klickte dann bei der Kategorie „Geburt“ ins nichts. Er verhielt sich dann jedoch anders, als die anderen, denn: er suchte auf meinem Blog nach dem Stichwort „Geburt“. Dann noch einmal. Und noch einmal. Wieder, wieder und immer wieder. Und das einzige, was ich denken konnte war: Es tut mir leid!

Ich kann es einfach noch nicht. Ich kann Kiwis Geburt noch nicht niederschreiben, geschweige denn die Tage danach. So oft schon habe ich mich an den Rechner gesetzt, motiviert jetzt alles aufzuschreiben, alles rauszulassen, zu verarbeiten… aber es geht noch nicht. Mir wurde richtig schlecht bei dem Gedanken, mich mit dieser für mich sehr schlimmen Erfahrung auseinandersetzen zu müssen. Es braucht noch Zeit. Ich bin noch dabei, es zu verarbeiten und froh darüber, dass ich mir mittlerweile sogar wieder Geburten in Filmen oder Serien ansehen kann. Auch auf Blogs kann ich die Erfahrungen der Mütter, ob positive oder negative, lesen. Manchmal, wenn es meiner Situation zu ähnlich ist, beschleicht mich noch ein sehr mulmiges Gefühl, aber ich kann es aushalten. Es wird also.

Aber – ich brauche noch Zeit.

Es tut mir also leid, lieber Leser von gestern und an all die anderen, die hier (noch) nicht finden, wonach sie vielleicht gesucht haben. Aber ich werde auch diese schmerzliche Erfahrung irgendwann mit euch teilen. Ich muss sie nur zunächst selbst noch verarbeiten…

Alles Liebe

eure Kiwimama

15 thoughts on “Mein nicht vorhandener Geburtsbericht

  1. Meine Liebe Kiwi,
    Und wenn es (geburtsbericht) niemals passiert:es ist Deine Erfahrung und dein Leben!
    Ich persönlich finde es „distanzlos“ dich damit zu konfrontieren bzw „unter Druck zu setzen“…
    Du bleibst bei dir und deinem Bauchgefühl-das zählt und sonst nix. Jetzt ist genießen angesagt!
    Habt einen schönen Tag

    1. Liebe Key,

      vielen Dank für deine lieben Worte! 🙂 Unter Druck habe ich mich eigentlich nur selbst gesetzt, denn ich habe ja die Kategorie „Geburt“ oben im Menü geöffnet. Dass Besucher sich dann wundern, warum da nichts steht, ist ja normal. Mir hat die Tatsache, dass ich das Schreiben meines Berichts immer weiter aufschiebe nur gezeigt, wie viel da noch ist, das verarbeitet werden muss – und das ist gut! Man neigt ja doch oft eher dazu, Sachen einfach zu verdrängen als sie aktiv zu verarbeiten. Das Aufschreiben meines Berichts wird irgendwann einer dieser Verarbeitungsschritte sein – nur jetzt eben noch nicht 🙂
      Insofern war mein Post sowohl als Erklärung für meine Leser, aber auch als kleine Erinnerung für mich selber gedacht, dass hier noch etwas schlummert, über das immer mal wieder nachgedacht werden will.
      Aber irgendwann schreib ich alles auf in der Hoffnung, vielleicht jemand anderem, der ähnliches erlebt hat zu zeigen: Es gibt ein Happy End! 🙂
      Dir noch einmal vielen Dank für dein Verständnis!

      Liebe Grüße und dir ebenfalls einen schönen Tag
      Kiwimama

  2. Ach, Du Liebe, fühl Dich ganz fest gedrückt! Und nimm Dir die Zeit, die Du brauchst. Alles kann, nichts muss. Es ist ja auch Dein Blog, Dein Bauch, Dein Weg. Und wenn es Dich beruhigt: Ich habe auch noch keinen Geburtsbericht veröffentlicht 🙂

    Alles Liebe, Küstenmami

  3. Liebe Kiwi!!! Die Leser finden das, was Du ihnen zeigen möchtest. Und das ist gut so! Setze Dich auf keinen Fall unter Druck, weil Du glaubst, irgend Jemandem etwas recht machen zu müssen. Wir Leser haben keine Ansprüche oder Erwartungen, sondern freuen uns über das, was Du uns gerne von Deinem Leben preisgibst! Ich weiss, dass Bloggen hilft sich auszutauschen, Dinge in Worte zu fassen und Vergangenes zu verarbeiten. Doch für manche Sachen braucht es eben Zeit; Zeit, um Wunden heilen zu lassen. Schreibe also, wann immer Dir danach ist, ohne Stress und Druck!! In dem Sinne: Viele Grüsse und weiterhin eine (positive) erfahrungsreiche Zeit als Kiwimama!!! Claudia

    1. Danke liebe Claudia für deinen lieben Post! Ja, den Druck sollte ich mir wirklich nehmen. Immerhin findet man jetzt ja auch diesen Post hier, der so ein bisschen was erklärt, das ist für mich irgendwie schon ein besseres Gefühl 🙂

  4. Ich kann sehr gut mitfühlen, warum du den Geburtsbericht noch nicht schreiben konntest. Selbst ich kreise in meinen Texten immer noch um den Kern herum, ohne ihn wirklich zu nennen. Bei mir ist es bald 5 Jahre her, ich habe 3,5 Jahre Therapie hinter mir und ein positives Geburtserlebnis, aber immer noch hält mich etwas zurück es in Worte zu fassen. Das Problem ist mein Trauma – es kennzeichnet eine Sprachlosigkeit. Die Gefühlswelt ist abgeschnitten – kann sich nicht ausdrücken. Das ist ein Trauma. Ich weis warum ich es nicht kann und du vermutlich auch nicht und so viele andere ebenfalls nicht. ich brauche noch Zeit, die ich mir geben werde. Du solltest das auch tun. Für dich! Irgendwann werde ich den Wunsch verspüren zu schreiben. Ich warte darauf und hoffe, dass es für euch ertragbar sein wird, was es zu lesen gibt….

    Liebe Grüße und vielen Dank für den wunderbaren Text. Er hat mich tief berührt. #ausgründen
    Mother Birth

    1. Liebe Mother Birth,
      es tut immer gut von anderen zu hören, denen es ähnlich geht (deswegen les ich deinen Blog auch so gern 🙂 ). So eine Geburt hat es schon echt in sich, insbesondere, wenn irgendwie alles völlig anders kommt, als gedacht. Mittlerweile denke ich bei mir auch an eine Art Trauma, werde aber mal schauen, wie es sich weiterentwickelt. Es ist gut möglich, dass da vor einer möglichen zweiten Geburt noch ein wenig „Vorarbeit“ geleistet werden muss.
      Danke für deine lieben Worte 🙂
      Alles Liebe
      Steffi

    2. Die „Vorarbeit“, wie du sie nennst, ist die wichtigste Geburtsvorbereitung, die du dir gönnen kannst. Das kann ich dir aus vollem Herzen raten!!! Man muss anfangen umzudenken und das dauert – meist lange…
      Ich denke immer noch viel über deinen Text nach – er arbeitet in meinem Inneren nach. beschäftigt mich sehr! Du hast noch einmal einen Anstoß gegeben, dass ich mich mit dem Thema Geburtsbericht auseinander gesetzt habe. Ich glaube nun, dass ich bald einen Artikel darüber schreiben werde! Sei gespannt! Du warst die Inspiration! Danke!
      Liebe Grüße
      Mother Birth

  5. Oh je, fühl dich mal ganz lieb umarmt und geknuddelt! Wenn es dir hilft, darüber zu schreiben, dann tu es. Vielleicht auch nur für dich, ohne es je zu veröffentlichen. Wenn du aber nicht darüber schreiben kannst oder möchtest, dann lass es einfach. Du bist niemandem so einen Bericht schuldig.
    & nun schnapp dir mal die wundervolle kleine Kiwi und knuddel sie ganz fest – sie ist einfach ein wunderbarer Schatz in seinem Leben und sie ist da – alles andere ist egal.

    1. Dankeschön 🙂 Kiwi wurde ausgiebig geknuddelt – das ist immer das beste Mittel gegen Kummer! Ich hatte auch schon mal drüber nachgedacht es einfach mal nur für mich aufzuschreiben, das ging aber auch noch nicht, aber ich denke, dass das irgendwann der erste Schritt sein wird.

  6. Liebe Kiwimama
    Ohje.. Soeben habe ich diesen Post gelesen.. – und fühle mich schuldig.. Ich war es, die so hartnäckig nach Deinem Geburtsbericht gesucht hat. Aber auch nur, weil ich an meinem iPad gezweifelt habe (wieso lädt es die Seite nicht? Reagiert es auf meine Klicks wieder mal gar nicht?) und am schluss auch an mir selber (tippe ich etwa verborgene Zeichen ein, dass da nichts gefunden wird?) – bis ich irgendwann realisierte: Ah, da gibts wirklich (noch) keine Fortsetzung.
    Es tut mir wahnsinnig Leid, dass Dich meine Klicks unter Druck gesetzt haben! Das wollte ich ganz bestimmt nicht! Mir war auch nicht bewusst, dass jeder Klick statistisch festgehalten wird (so naiv bin ich ;-))
    Aber ich habe mir vor knapp 3 Monaten ähnliche Fragen gestellt und mit mir gerungen, wollte doch so gerne eine Geburt ohne Fremdbestimmung – habe mich dann aber auf Anraten der Ärzte doch für eine Einleitung entschieden (39 SSW, beginnende Schwangerschaftsvergiftung). Mich hats einfach extrem Wunder genommen, wie Deine Geschichte ausgegangen ist (und Du schreibst einfach so schön!). Aber ich habenvollstes Verständnis und wollte wirklich nicht aufdringlich sein! Wie Mäusemamma so schön geschrieben hat: Nimm Dir die Zeit die Du brauchst, um die Wunden heilen zu lassen, Du bist niemandem etwas schuldig!
    Fühl Dich gedrückt und liebe Grüsse vom Besucher, der gerne in Fettnäpfchen tritt (und sich manchmal scheinbar Kopfvoran rein schmeisst..) Alles Liebe!

    1. Du Liebe!
      Erstmal freut es mich total, dass du hier kommentierst und das Ganze quasi „aufklärst“. Aber fühl dich bitte nicht schuldig! Mir ist echt ein großer Stein vom Herzen gefallen, als ich diesen Text veröffentliche und Leser jetzt zumindest eine Erklärung dafür finden, warum sie eben gerade nichts finden 😉 Es tat gut das aufzuschreiben, insofern danke ich dir wirklich für deine energische Suche! 😀

      Eine Kurzfassung auf deine Frage, wie es weiterging, kann ich dir aber geben: Nachdem die Ärztin mir keinen medizinischen Grund für eine Einleitung nennen konnte und es nur damit begründete, dass das eben der Standard wäre, habe ich eine Einleitung abgelehnt. Außerdem wurde der ET mit dem typischen 28 Tage Zyklus berechnet, den ich definitv nicht habe (das war der Ärztin aber komischerweise egal…). Am nächsten Tag sollte dann noch mal entschieden werden, ob eine Einleitung stattfinden soll. Dazu kam es allerdings nicht, denn mir platzte gerade, als ich mich schlafen legen wollte, die Fruchtblase und die Wehen setzten ein. Ich hatte zu dem Zeitpunkt schon ein Familienzimmer gemeinsam mit meinem Mann bezogen und hatte es also nicht weit zum Kreißsaal. Es folgten über Stunden und Stunden hinweg sehr heftige Wehen in sehr kurzen (1 Minute oder weniger) Abständen bei einer sehr, sehr netten Hebamme (die, die mich auch bei meiner Entscheidung, eine Einleitung abzulehnen, unterstützt hatte). Als mir sogar diese – ich war mittlerweile am Ende meiner Kräfte – irgendwann dazu riet, mir eine PDA legen zu lassen, stimmte ich zu. Die wirkte allerdings nicht. Kurz darauf bekam ich Fieber und die Herztöne sackten ab. Es wurde ein Kaiserschnitt gemacht und erst ab diesem Zeitpunkt habe ich die Geburt als „traumatisch“ in Erinnerung. Nach dem Kaiserschnitt erklärte mir meine Ärztin, dass ich einen überstehenden Knochen im Becken hätte, und Kiwis Kopf sich daher nicht richtig reindrehen konnte. Die Chance, dass eine nächste Geburt natürlich verlaufen kann, schätzte sie auf 50/50.

      So also die Kurzfassung. Ich bin mir sicher, irgendwann werde ich auch den Drang dazu haben, die längere, ausführlichere Version aufzuschreiben 🙂

      Alles Liebe
      Steffi

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