Kinderwagen ist… wieder gut? (#Familienmoment)

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Ach ja, was ist das für ein Hin und Her bei Kiwis Spaziergängen. Erst liebte Kiwi ihren Kinderwagen, nur um diesen dann irgendwann ganz plötzlich abgrundtief zu hassenDie Manduca war fortan unser treuer Begleiter und eigenete sich natürlich gut, für ausgiebige Kuscheleinheiten. Blöd nur, dass ich aufgrund meines Unfalls einige Zeit nicht dazu in der Lage war, Kiwi auf diese Art und Weise zu tragen. Tja und dann wurde doch wieder der Buggy ausprobiert… Wie das lief erfahrt ihr im heutigen #Familienmoment!

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Skeptisch schiele ich auf die Uhr und drücke den Telefonhörer ein wenig fester an mein Ohr.

„Und du bist jetzt erst losgefahren?“

„Ja…“, erwidert mein Mann am anderen Ende. „Und hier ist auch noch eine Baustelle. Ich komme heute später.“

„Aber… Ich wäre so gern mit dir und Kiwi zusammen spazieren gegangen… Das wird dann ja alles viel zu spät.“

„Mhm… ja, das stimmt.“

Seufzend werfe ich einen Blick aus dem Fenster nach draußen. Die Sonne scheint und ich höre durch die Scheiben im Wohnzimmer die Vögel zwitschern.

„Hm, ja okay, da kann man nichts machen. Fahr vorsichtig und bis gleich.“

„Bis gleich.“

Ich lege auf und mustere die auf dem Boden spielende Kiwi einen Moment lang. Kurz erinnere ich mich an den letzten Sommer, in dem ich jeden Tag mindestens ein Mal mit Kiwi im Kinderwagen spazieren gegangen bin. Die kleine Maus schlummerte währenddessen meist irgendwann friedlich ein und ich genoss die frische Luft und die Wärme um mich herum. Nur zu gut erinnerte ich mich auch noch an den Tag, an dem sich Kiwi plötzlich weigerte, im Kinderwagen zu fahren und unseren friedlichen Spaziergängen ein jähes Ende bescherrte.

Natürlich gingen wir trotzdem mit Kiwi spazieren, aber nicht mehr so oft, so unverkrampft und – nicht mehr alleine.

Ich fühlte mich entspannter, wenn ich nicht mit Kiwi alleine spazieren ging, weil stets die Befürchtung mitschwang, dass sie plötzlich furchtbar zu weinen beginnt. Mir war meine eigene Vermeidungshaltung bis vor Kurzem auch gar nicht so richtig bewusst. Immer gab es eine Ausrede: zu kalt, zu nass, zu schlapp, Kiwi krank, Kiwi quengelig und dann kam mit dem Unfall mein Rücken dazu.

Dabei ging ich gerne mit Kiwi spazieren! Es musste nur immer noch jemand mit dabei sein. Warum, das weiß ich selbst nicht so genau.

Vor einigen Tagen dann begannen wir, mal zu probieren, ob Kiwi vielleicht mittlerweile wieder mit dem Buggy gefahren werden möchte. Es folgten einige mal mehr, mal weniger erfolgreiche Versuche. Irgendwann ging Kiwipapa auch alleine mit ihr los, um zum Beispiel Brötchen zu holen. Sogar meine Mutter ging schon einmal alleine mit ihr spazieren.

Nur ich traute mich das nicht.

Erneut wanderte mein Blick nach draußen. Bald würde es wärmer werden und ich wollte verdammt nochmal nicht ständig nur hier drinnen hocken oder gemeinsam mit anderen zusammen mit Kiwi das Haus verlassen. Was sollte schon passieren? Kiwi gefiel der Buggy beim letzten Mal ganz gut und wenn sich herausstellen sollte, dass sie keine Lust hat, drehen wir halt wieder um. Sie war immerhin jetzt kein winzig kleines Baby mehr, das völlig aus dem Nichts anfängt, furchtbar zu weinen oder zu schreien. Man sieht ihr an, wenn sie etwas nicht mag und hat in der Regel genügend Zeit, sie abzulenken und dagegen etwas zu tun. Nur irgendwie hatte es diese Tatsache noch nicht geschafft, von mir auch tatsächlich verarbeitet zu werden. Vor meinem inneren Auge lag da noch immer der kleine, hilflose Säugling und begann ganz plötzlich fürchterlich an zu schreien.
Ich erinnerte mich an meine eigene Hilflosigkeit in den ersten Wochen nach der Geburt und daran, das Gefühl zu haben, diesem Ganzen Mama-sein einfach nicht gewachsen zu sein. Immerhin war das doch mein Kind! Sollte ich da nicht die Expertin sein?

Aber mittlerweile bin ich die Expertin für Kiwi. Ich weiß ihre Signale zu deuten. Wir sind ein eingespieltes Team und ich kenne sie besser, als jeder andere auf der Welt.

Ich verbannte also diese eine Phase, in der die Spaziergänge mit Kiwi plötzlich begannen, zu kleinen Katastrophen zu werden aus meinem Kopf und machte mir bewusst, dass all die negativen Gefühle, die ich damit verknüpfte, in der Vergangenheit lagen.

Kurzerhand schnappte ich mir also Kiwis Kleidung für draußen und zog die kleine Maus an. Das schien ihr sogar zu gefallen und als sie verstand, dass wir nun zusammen spazieren gehen würden, lächelte sie mich sogar ganz begeistert an. Das gab mir Mut.

Ich zog mich selber an, atmete noch einmal tief ein, schob den Buggy aus der Haustür…

… und kehrte etwa eine halbe Stunde später freudestrahlend mit einer völlig zufriedenen, ausgeglichenen Kiwi durch eben diese Tür wieder zurück.

Kiwi hatte auf dem ganzen Weg kein einziges Anzeichen von Quengeln oder Unwohlsein gezeigt und wäre beinah sogar friedlich eingeschlafen, nachdem sie ausgiebig ihre Umgebung in sich aufgesogen hatte.

Ich war so glücklich!

Diese Hürde, die mir vorher noch gar nicht so bewusst gewesen war, hatte ich also genommen. Und ich kann jetzt schon sagen: Es werden noch viele, viele weitere Spaziergänge folgen! 🙂

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Noch mehr #Familienmomente findet ihr wie immer bei Küstenkids unterwegs!

 

 

10 thoughts on “Kinderwagen ist… wieder gut? (#Familienmoment)

  1. Das hört sich toll an.
    Bei uns ist es sehr ähnlich gewesen. Erst fand unsere Kleine den Kinderwagen super und dann überhaupt nicht mehr.
    Also sind wir auf die Manduca umgestiegen.
    Letzte Woche haben wir den Kinderwagen wieder ausprobiert. Nur Geschrei.
    Aber dein Text gibt mir Mut. Vielleicht probiere ich mal wieder den Buggy aus. Vielleicht auch mal ein paar Mal öfter. Danke 🙂
    Liebe Grüße,
    Joey

    1. Liebe Joey,
      das Problem scheinen echt viele Eltern zu kennen. Ich kann dir nur empfehlen es noch ein paar Mal auszuprobieren. Was bei uns außerdem half: Kiwi mag es gar nicht, so superdick angezogen zu sein, weil sie sich dann kaum noch bewegen kann. Wir haben uns deshalb z.B. eine Jacke besorgt, die zwar ganz ganz warm, aber trotzdem noch so „weich“ ist, dass sie zumindest die Arme bewegen kann. Vielleicht hilft’s? Ich wünsch dir jedenfalls viel Erfolg! 🙂

      Liebe Grüße
      Steffi

    2. Hallo Kiwimama Steffi,
      ich lerne immer nur Eltern kennen, dessen Kinder brav im Wagen liegen und schlafen oder es zumindest gut finden.
      Aber der Tipp mit der Jacke ist ganz gut. Meine Kleine stört es auch sehr, wenn sie sich schlecht bewegen kann. Zum Glück wird es wieder wärmer.
      Liebe Grüße,
      Joey

  2. Es freut mich, dass ihr einen schönen Spaziergang hattet, es war ja auch wirklich herrliches Wetter. Mir juckt es aber in den Fingern, darauf hinzuweisen, dass die Kinder erst in den Buggy wechseln sollen, wenn sie sich allein hinsetzen. Aber irgendwie muss man ja einen Kompromiss finden und 30 Minuten sind ja auch nicht so lange. Wenn es mit Kinderwagen und Manduca nicht geht, dann muss eben der Buggy her.

    Liebe Grüße und noch viele schöne Spaziergänge!

    1. Liebe Mama in Hamburg,

      ja, das Wetter war wirklich zu schön, um nicht ausgenutzt zu werden 🙂

      Zum Thema Buggy: Wir haben einen Buggy, dessen Lehne man stufenweise sehr weit zurückstellen kann (fast schon waagerecht). Kiwi fährt daher nicht richtig im Sitzen, sondern mehr in Maxi-Cosi-Haltung. Laut Hersteller ist er daher sogar schon ab 6 Monaten nutzbar (wobei man das natürlich auch von der körperlichen Fitness des Kindes abhängig machen sollte). Vielleicht hätte ich das im Text noch dazuschreiben sollen 🙂

      Liebe Grüße
      Steffi

    2. Alles klar, ich hab mir auch schon gedacht, dass du Kiwi bestimmt nicht in Sitzhaltung zwingst, aber ich musste das einfach loswerden. 🙂

      Unseren Buggyaufsatz kann man auch ganz flach stellen, aber auf der Babywelt hab ich den Hersteller gefragt und der sagte ganz deutlich: Erst, wenn sie allein sitzen können.

      Wenn bei euch aber ab 6 Monate dabei steht, ist ja alles prima.

  3. Moin liebe Steffi,

    ich kann gut verstehen, dass die Erinnerung an Dein schreiendes Baby Dich hat zögern lassen – das ist ja für alle Beteiligten auch echt heftig. Ich weiß noch gut, wie hilflos auch ich mich beim ersten Kind in solchen Momenten gefühlt habe. Super, dass Du Dich getraut hat! Und der Frühling kommt!!! Ich wünsche Euch noch viele wunderbare Spaziergänge und Ausflüge!

    Herzliche Grüße, Küstenmami

  4. Ich finde es wunderbar, dass du über deinen Schatten gesprungen bist <3
    Manchmal muss man sich aber erst bewußt werden, dass einen etwas zurückhält. Das ist immer der erste Schritt. ES befreit unheimlich, wenn man die negativen Gefühle aus vergangenen Erlebnissen hinter sich lassen kann und einfach positiv nach vorne schaut. Du weist ja: das ist ganz meine Mentalität 😉

    Liebe Grüße
    Mother Birth

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