Kinderwagen ist doof! … scheinbar

Kinderwagen

Einen Spaziergang im Grünen unternehmen, den Kinderwagen gemütlich vor sich herschieben und das friedlich schlummernde Baby betrachten – jeden Tag wieder war das mein absolutes Highlight. Auch als Mama kam man mal raus, konnte ein wenig Sonne tanken oder sich zumindest eine frische Brise um die Nase wehen lassen. Auch Kiwi liebte diese Spaziergänge – vor allem morgens.  Selten wurde gequengelt, noch viel seltener gar kurz geweint (die Zeit direkt nach der Geburt rechne ich hier mal nicht mit ein). Ein rundum zufriedenes Baby. Einfach toll … und Vergangenheit!

War ja irgendwie klar, dass dieses Utopia nicht lange bestehen bleiben konnte. Ab sofort lautet Kiwis Devise nämlich: „Der Kinderwagen ist doof! Hab ich mal so gar keine Lust mehr drauf. Könntest du mich jetzt bitte wieder nach Hause tragen? Danke.“

Ich bin immer noch etwas überrumpelt, von so viel plötzlicher Abneigung. Es war so um die Zeit von Kiwis erster Impfung, da konnten wir aufgrund des schlechten Wetters einige Tage nicht spazieren gehen. Dann kam die Impfung und Kiwi bekam leichtes Fieber, danach eine Erkältung – auch da fielen die Spaziergänge erst einmal flach. Als Kiwi schließlich wieder fit war und sich das Wetter besserte, freuten Kiwipapa und ich uns auf einen gemeinsamen Spaziergang am Wochenende. Kiwi war gesättigt, frisch gewickelt und schon leicht schläfrig. Perfekte Voraussetzungen für eine entspannte Runde. Kiwi allerdings war da anderer Meinung.

Schon beim Hineinlegen in den Kinderwagen quengelte sie leicht. Das war schon etwas ungewöhnlich, kam aber durchaus ab und an mal vor und besserte sich in der Regel nach den ersten fünf Minuten und einer Fahrt auf ihrer geliebten „Ruckelstrecke“ (ein kleiner Kiesweg am Rande der Straße). Unbeirrt zogen wir also los.

Das Quengeln ging weiter, der Schnuller wurde konsequent ausgespuckt. „Wir sind gleich auf deiner Lieblingsstrecke, keine Sorge“, versuchte ich sie zu beruhigen. Die Ruckelstrecke kam, das Quengeln verschwand. Stattdessen blickte Kiwi neugierig aus dem Kinderwagen zu uns hoch, plötzlich gar nicht mehr müde, aber dennoch zufrieden. Das hielt allerdings nur die nächsten paar Minuten an. Dann begann das Quengeln erneut.

Wir gaben ihr ihren Schnuller – der wurde beherzt wieder ausgespuckt.

Wir verstellten den Kinderwagen, so dass sie von ihrer Umgebung mehr sehen konnte – das gefiel ihr kurz, aber sie war mittlerweile eigentlich so müde, dass es sie noch mehr vom Schlafen abhielt.

Wir redeten mit ihr – das klappte ebenfalls nur kurz.

Mittlerweile hatten wir die Hälfte unserer üblichen Strecke hinter uns gebracht. Bei einem bestimmten Bauernhof drehten wir immer um und gingen wieder zurück. Es sei denn, Kiwi war müde und hatte noch nicht in den Schlaf gefunden. In diesem Fall gingen wir weiter – auf dem ultimativen Ruckelweg. Auch, wenn es vorher nicht geklappt hatte, hier schlief Kiwi in 95% der Fälle ein, wenn sie müde war.

Wir zogen also unseren Joker und gingen weiter. Noch immer voller Zuversicht, dass sie gleich in den Schlaf finden würde. Immerhin rieb sie sich ständig ihre Augen und war definitiv mittlerweile hundemüde.

Als wir auch unseren zweiten üblichen „Umdrehpunkt“ erreichten und Kiwi noch immer nicht eingeschlafen war und auch immer noch quengelte, wurde uns klar: Irgendetwas stimmt hier nicht. Wieso schlief sie nicht ein? War sie zu abgelenkt durch ihre Umgebung? War es ihr zu hell? Wir waren im Sommer immer mit einem Insektenschnutz über dem Kinderwagen unterwegs gewesen, vielleicht half der? Doch Pustekuchen.

Mittlerweile waren wir auf der Hälfte des 5-km-Rundweges angekommen, den Kiwipapa manchmal bei schönem Wetter mit Kiwi gegangen ist. Ob wir jetzt wieder umdrehten oder weitergingen war also egal. Wir gingen weiter, mittlerweile schon ziemlich frustriert. Und schließlich, nach weiteren 2 Kilometern, mitten im Nirgendwo, verwandelte sich Kiwis Quengeln in echtes Weinen und unsere Frustration in Verzweiflung.

Wir versuchten alles: Wir sangen, machten Quatsch, versuchten den Schnuller, hielten ihre Hand (später auch während wir liefen), streichelten sie, redeten beruhigend auf sie ein… Natürlich hätten wir sie auch aus dem Kinderwagen nehmen können, nur war es mittlerweile ziemlich kalt und ziemlich windig geworden. Kiwi hatte keine Jacke an, sondern lag unter einer warmen Decke in ihrer windgeschützten, warmen Babywanne. Auf unserem Arm wäre es ihr definitv auf Dauer zu kalt geworden. Aber zumindest kurz nahmen wir sie heraus. Kiwi beruhigte sich, doch begann sofort wieder zu weinen, als wir sie zurück in den Kinderwagen legten.

Lange Rede kurzer Sinn: Irgendwie brachten wir die restliche Strecke hinter uns. Zum Schluss trugen wir sie tatsächlich eingehüllt in ihrer Decke auf dem Arm. Völlig fertig kamen wir drei zu Hause an und Kiwi schlief augenblicklich auf meinem Arm ein, nachdem ich sie herausgenommen hatte. Wir versuchten anschließend unseren „Fehler“ zu finden, konnten uns aber beim besten Willen nicht erklären, was hier schiefgelaufen war. Die einzige plausible Erklärung für uns war, dass Kiwi mittlerweile einfach so viel von ihrer Umgebung wahrnahm, dass sich Spazierengehen nicht mehr zum Einschlafen eignete.

Vor dem nächsten Spaziergang mit Kiwipapa war Kiwi satt, gewickelt, ausgeschlafen und gut gelaunt. Einige Zeit später kehrte ein nicht quengelndes, nicht weinendes, nein, ein schreiendes Kind mit Kiwipapa zurück. Der war völlig fertig und brauchte erst einmal eine Pause vom Spaziergehen. Wir warteten einige Tage und starteten einen erneuten Versuch. Dieses Mal zogen wir Kiwi gleich so warm an, dass wir sie notfalls auch tragen konnten – was wir auch tun mussten.

Unsere weiteren Versuche kurz zusammengefasst: Wir überlegten, ob sie statt in der Babywanne vielleicht schon im Buggyaufsatz sitzen wollte. Diesen konnte man so weit zurückstellen, dass sie sich quasi in Maxi-Cosi-Haltung befand und sie konnte ein wenig mehr von ihrer Umgebung sehen. Auch das war scheinbar doof, denn jetzt musste sie definitv dick eingepackt und angeschnallt werden. Tragetuch? Nope. Spielzeug zur Beschäftigung? Nein danke.

Noch immer haben wir keine Lösung für dieses Dilemma gefunden und wir würden so gerne wieder mit Kiwi spazierengehen!

Deshalb meine Frage an euch: Habt ihr irgendwelche Tipps, Kniffe oder Voodoozauber für uns? Oder müssen wir uns tatsächlich damit abfinden, dass Spazierengehen erst einmal abgeschrieben ist?

2 thoughts on “Kinderwagen ist doof! … scheinbar

  1. Ihr habt euch ja wirklich Mühe gegeben und alles versucht. Vielleicht hilft es, nochmal genau zu prüfen, ob Kiwi zu warm oder zu kalt angezogen ist oder ob irgendwas an ihrer Kleidung sie nervt. Vielleicht drückt oder scheuert da etwas, sobald sie liegt? Oder die Mütze verrutscht? Oder das Klett vom Halstuch pieckst?

    Habt ihr eine Kinderwagenkette, die sie anschauen kann? Bestimmt. Oder ihr mal ein Spielzeug in die Hand gegeben? Bestimmt auch schon alles versucht.

    Wie ist es denn, wenn ihr mal das Verdeck offen lasst? Ich mach das ja ungern, weil ich Angst vor herabfallenden Blättern oder Kastanien etc habe, aber vielleicht hilft das, weil sie dann alles auf andere Art sehen kann…

    Oder wenn das Liegen das blöde ist, dann könnte es helfen, wenn ihr ein zusammengefaltetes Handtuch unter die Matratze legt, dann liegt Kiwi etwas erhöht mit dem Oberkörper.

    Ich hoffe, es findet sich eine Lösung. Tragetuch klappt auch nicht?

  2. Hallo liebe Mama in Hamburg,

    vielen Dank für deine wertvollen Tipps! An der Warm/Kalt-Stellschraube haben wir auch bereits versucht zu drehen, das hat allerdings nichts geändert und wenn ich Kiwi aus dem Kinderwagen nehme, habe ich auch nicht das Gefühl, dass sie sich zu warm/kalt anfühlt. Ich könnte mir aber kleidungstechnisch gut vorstellen, dass es sie stört, dass sie sich in ihrer Bewegungsfreiheit bei kühlen Temperaturen durch entsprechend wärmere Kleidung eingeschränkt fühlt. Das ist sie einfach nicht gewohnt. Wir haben jetzt noch mal eine etwas weniger „steife“ Jacke ausprobiert, damit ging es zumindest schon mal etwas besser.

    Eine Kinderwagenkette haben wir mittlerweile auch befestigt, die schien sie ganz gut zu finden. Spielzeug war hingegen nicht so der Renner, davon wurde sie eher aufgedreht und dann quengelig 😉

    Das Verdeck haben wir auch schon verändert. Kurz bringt es immer was, aber nicht auf Dauer. Außerdem habe ich ab einem gewissen Teil der Strecke die gleiche Angst wie du, dass nämlich Kastanien und Eicheln auf sie fallen könnten.

    Tragetuch ist irgendwie nichts mehr für sie. Das fand sie früher mal eine Zeit lang ganz gut, aber jetzt nicht mehr. Ich bin aber auch nicht die „Tragetuch-Binde-Expertin“. Wir haben jetzt gerade ein Tragesystem von Manduca gekauft und das zu Hause mal getestet. Das schien ihr ganz gut zu gefallen und das werden wir beim nächsten Spaziergang definitv ausprobieren. Ich werde berichten! 😉

    Liebe Grüße
    Kiwimama

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