Kind ins Bett bringen: 2 Punkte x Anzahl der Minuten

Blogparade

– Beitrag zur Blogparade „Problemfall Mann“ von Teilzeitmutti – 

Die „Teilzeitmutti“ hat ihren Mann gebasht! In der Öffentlichkeit! Und dann auch noch zum „Mit-Bashen“ im Sinne einer Blogparade aufgerufen! 

Das geht so nicht, finden die einen, die anderen fühlen sich endlich verstanden. Dazu kann man stehen wie man will. Es wird immer jemanden geben, der mehr von sich und seinem Privatleben preis gibt, als man es vielleicht selbst tun würde. Ein gutes Beispiel sind da die Sacconejoys – sie vloggen jeden Tag über ihr Leben mit zwei Kindern und sechs Hunden. Wäre das was für mich? Nie im Leben! Sehe ich es mir gerne an? Absolut! (Und scheinbar bin ich da nicht die einzige, denn diese kleine Familie hat bereits über 1 Million Abonnenten auf YouTube.) Schwierig wird es natürlich dann, wenn derjenige, über den gesprochen wird, nicht sein OK zur Veröffentlichung gegeben hat. Aber darüber wissen wir nichts. Und natürlich sollte ein Paar wohl miteinander über derartige Probleme reden. Das sagt der reine Menschenverstand.

Was ich allerdings mit steigenden Verwunderung wahrgenommen habe und worauf ich mich konzentrieren möchte, sind die ominösen „Listen“ , die in diesem Zusammenhang plötzlich überall auftauchten. Listen von Aufgaben, die der eine oder der andere Partner übernimmt und die gerne mal als Argument für oder gegen eine „gerechte“ Behandlung  angeführt wurden.

„Ich übernehme Aufgabe A, B, C und D, mein Mann macht nur Aufgaben E und F! Ist das nicht ungerecht?“

Dabei frage ich mich persönlich: Wie wichtig ist es denn, dass man in einer Partnerschaft eine exakt gleiche Verteilung von Aufgaben A-Z herstellt? Oder wiegt Aufgabe B mehr als Aufgabe M im Verteilungsgeflecht? Braucht man gar ein Punktesystem für all die Aufgabenverteilerei, damit es endlich „gerecht“ zugeht? Das Ganze könnte dann in etwa so aussehen:

Müllrausbringen: 2 Punkte

Kind ins Bett bringen: 2 Punkte x Anzahl der Minuten

Elternabend für Kind 1 besuchen: 5 Punkte

Elternabend für Kind 2 besuchen: 30 Punkte

Windeln wechseln: Je nach Inhalt zwischen 2 – 8 Punkte (3 Bonuspunkte bei Windelsprengung)

Kind in die Kita bringen: 5 Punkte (+ 1 Punkt pro auf dem Weg gepflücktem Gänseblümchens)

Bericht im Büro fertig schreiben: 10 Punkte

Mit Kollegen gemütlich quatschen: – 5 Punkte (x Anzahl der Minuten)

Sich durch den Berufsverkehr quälen: 7 Punkte (+ 1/2 Punkt pro roter Ampel)

und so weiter…

Mal ehrlich: Das kann es doch nicht sein?

Ich lebe doch nicht in einer Beziehung, um mir ständig einen Kopf darüber zu machen, dass auch ja alles „gerecht“ zugeht. Natürlich kommen solche Gedanken mal auf, davon kann ich mich auch nicht freisprechen. Und natürlich ist man manchmal grummelig, wenn der Partner sich gemütlich auf das Sofa haut und man selbst gerade noch den Abwasch macht. Und selbstverständlich spricht man schon über die faire Verteilung der Belastungen innerhalb der Familie und baut sich eine „Basis“ auf der das Ganze dann funktionieren soll.

Aber jetzt kommen wir zu meinem persönlichen dicken, fetten ABER:

Ich meine, man agiert in einer Partnerschaft als Team. Und in einem Team zähle ich nicht die Aufgaben, sondern versuche, gemeinsam mit meinen Teamkameraden ans Ziel zu kommen (das kann in diesem Falle vom harmonischen Abendessen bis hin zum renovierten Wohnzimmer oder zufrieden schlafenden Kind alles mögliche sein). Und dabei wiege ich nicht Aufgabe gegen Aufgabe auf, sondern checke die jeweilige und aktuelle Belastbarkeit der Teammitglieder und versuche, diese über einen längeren Zeitraum hinweg ausgeglichen zu gestalten, so dass sich dabei alle wohl fühlen.

Wenn mein Mann an einem Tag total geschafft von der Arbeit nach Hause kommt, weil er fast seine gesamte Arbeitszeit in irgendwelchen Meetings verbrachte/schwere Maschinen bediente/einen neuen Mitarbeiter einweisen musste und mich beispielsweise fragt, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn er sich einfach schon ins Bett verkrümelt oder sich aufs Sofa lungert, wäre es dann nicht „fair“ ihm seine Auszeit auch zuzugestehen, wenn ich nicht selbst ebenfalls völlig am Ende bin? Und wäre es nicht ebenso in Ordnung, wenn ich an einem Sonntag noch so gar nichts Sinnvolles zum Familienalltag beigetragen habe, ich mich aber einfach nicht so toll fühle und mein Mann mal alles machen lasse? Und was ist, wenn ich weiß, dass meine bessere Hälfte Bügeln total anstrengend findet und mich bittet, ihm sein Hemd zu bügeln, weil es mir einfach leicht von der Hand geht. So what? Dann stellt er eben irgendwann mal den Geschirrspüler für mich an oder fummelt sich durch meine WordPress-Plugins, das weiß ich, ohne in den nächsten Tagen auf die entsprechende „Gegenleitung“ zu lauern.

Und wenn ich das Gefühl habe, dass meine Belastung tatsächlich wesentlich höher ist, als die meines Partners und ich damit unglücklich bin, dann spreche ich das Ganze eben an. Und bestenfalls hört mir mein Gegenüber in einem solchen Fall zu und ist ebenso daran interessiert, dass es mir gut geht, wie ich es bin (ansonsten sollte man sich wohl Gedanken machen).

Grundvoraussetzung dafür ist natürlich: gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Ehrlichkeit. Ich muss mich darauf verlassen können, dass mein Partner auch tatsächlich total geschafft ist von der Arbeit und nicht nur den ganzen Tag auf Facebook verbrachte, wenn ich den Haushalt alleine stemme und mich um Kind und Kegel kümmere. Aber in der Regel ist man in einer gut funktionierenden Partnerschaft ja auch an dem Wohl des jeweils anderen interessiert und sollte dieses eben auch mit im Blick haben.

Und um jetzt auch noch mal was aus unserem Privatleben auszuplaudern: Ja, so handhaben wir das. Nicht immer, das ist klar – so zen-mäßig sind wir auch nicht drauf – aber die Grundpfeiler unseres Zusammenlebens basieren auf genau diesem Gedanken des „sich-um-das-Wohl-des-anderen-kümmerns“.

So, und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich bin dann mal meine Punkte zählen… 😉

5 thoughts on “Kind ins Bett bringen: 2 Punkte x Anzahl der Minuten

    1. Vielen Dank! 🙂
      Dann werd ich deinen Text gleich auch mal lesen. Bei dem Thema zucken einem echt irgendwie die Hände und man will was dazu schreiben 😉

  1. Du bringst es wirklich gut auf den Punkt. Ich finde auch, dass es einfach insgesamt ausgewogen sein sollte. Jeder hat mal einen Tag, an dem er mehr macht als der andere, aber das gleicht sich wieder aus. Jeder braucht auch mal Ruhephasen. Aufgaben unterschiedlich zu bewerten finde ich auch Quatsch, zumal der eine ja vielleicht etwas total mag, was der andere hasst. Ich hasse es zum Beispiel, Käse für den Auflauf zu reiben und für den Mann ist es ein großes Vergnügen. Die Punkte gehen also heute an ihn 🙂

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