Ich bin schwanger! … echt jetzt?

– Schwangerschaftsrückblick Teil I –

„Na gut, dann mach ich halt mal nen Test.“, dachte ich völlig unenthusiastisch, nachdem ich nun doch schon ein paar Tage „drüber“ war.

Dazu muss ich sagen: Ich hatte mir BEVOR wir tatsächlich damit begonnen hatten zu üben bestimmt vier oder fünf Mal in unserer Beziehung (dieses Jahr sind es 10 Jahre) eingebildet schwanger zu sein, obwohl es „in der Theorie“ gar nicht hätte sein können – und es auch nicht war. Meine eingebildeten Schwangerschaften versorgten mich dabei stets mit allerlei Schwangerschaftssymptomen, die allerdings nach jeden negativen Test sofort wieder verschwanden. „Ich wollte ja eigentlich auch noch gar kein Kind“, ging es mir dabei immer irgendwie tröstend durch den Kopf. Und auch der Kiwipapa schien immer etwas enttäuscht.

Warum wir nicht einfach loslegten, wenn wir doch beide gern ein Kind wollten? Dazu sind wir zu große Vernunftsmenschen. Schule, Studium, gesicherter Job und ein Jahr arbeiten – das waren unsere Voraussetzungen für ein gemeinsames Kind (geheiratet wurde zwischen Phase 2 und 3 auch noch 🙂 ). Tatsächlich haben wir auch beide unser Bestes gegeben, um dieses Ziel so schnell wie möglich zu erreichen.

Und jetzt war es also soweit. Ich war 27, mein Mann 29, unsere Ziele waren erreicht, wir legten los. Und von den erwarteten „Scheinschwangerschaftssymptomen“ (davon ging ich fest aus) merkte ich – nichts.

Weder war mir übel oder schwindelig, ich war nicht müdig oder launisch, mein Bauch fühlte sich völlig normal an. Ich war so felsenfest davon überzeugt NICHT schwanger zu sein, dass ich den Test immer weiter hinauszögerte, weil ich mir albern vorkam. Beim ersten Versuch wird’s doch sowieso nicht gleich geklappt haben, dachte ich mir. Nur der Kiwipapa wurde langsam ungeduldig und äußerte zu meinem Erstaunen immer wieder, wie fest er davon überzeugt ist, dass es geklappt hat (typisch Mann! 😉 ).

Also schlurfte ich nach oben ins Bad. Ganz gelassen, ganz ruhig und ein bisschen stolz darauf, die ganze Sache dieses Mal so „cool“ anzugehen. Ich machte den Test in aller Ruhe, legte den Streifen auf das Waschbecken und sah auf die Uhr. Ich wusste, was nun kommen würde: 5 Minuten sollte ich waren. Ich würde das Bad verlassen, um zu warten, aber immer wieder hineinrennen und auf den Streifen schauen. Ich würde hibbelig hin und her laufen, mit Kiwipapa alle „Was-wäre-wenn“s durchgehen und dann nach den fünf Minuten irgendwie eine Linie mit meinen Augen in diesen dämlichen Streifen brennen wollen.

Diese Gedanken gingen mir beim ersten Blick auf die Badezimmeruhr durch den Kopf und ich wollte gerade gehen, da erstarrte ich.

War das nicht eine zweite blaue Linie? Völlig irritiert beugte ich mich über den Test und schüttelte den Kopf, veränderte den Winkel, kniff kurz die Augen zusammen, um jede Sinnestäuschung auszuschließen. Die Linie blieb. Und sie wurde immer deutlicher.

„Schaaaaaatz?“, rief ich unsicher – aber laut. „Ich glaub, da kommt ne Linie!“ Ich fühlte mich völlig überfordert.

Kiwipapa kam sofort die Treppe nach oben gestürmt und breit grinsend ins Bad. Ein Blick auf den Test genügte. Eindeutig positiv.

„Sag ich doch!“, jubelte mein Mann und vollführte eine Art Freuden/Siegestanz durch das Badezimmer. Ich hingegen fühlte mich völlig überrumpelt. Ich war gedanklich so damit beschäftigt keine Hoffnung auf ein positives Ergebnis aufzubauen, dass es mich jetzt total aus der Bahn warf. Ich setzte mich erstmal auf den Rand der Badewanne. Mir war schwindelig. Und schlecht. Plötzlich war das alles keine romantische Träumerei mehr, sondern real. Mein Herz begann zu rasen. Erschreckend real!

Hatten wir uns das wirklich gut überlegt? Würden wir das alles schaffen? Würde ICH das alles schaffen? War ich überhaupt bereit für ein Kind? Wollten wir nicht noch so viel reisen? Und wie sollten wir das finanziell hinkriegen? Ein Haus hatten wir auch noch nicht gekauft, das konnten wir jetzt wohl erstmal vergessen. Wie sollte ich schwanger arbeiten? Würde der Stress dem Kind schaden? Schadet der Stress JETZT gerade nicht schon dem Kind?!

Ja, ich glaube, ich hatte eine leichte Panikattacke, während mein Mann mich freudig strahlend in den Arm nahm.

„Ist das nicht toll?!“, fragte er grinsend und ich nickte nur abwesend. Ich hatte in diesem Moment Angst, dass das alles eigentlich keine gute Idee war. Und nicht mehr rückgängig zu machen.

„Ich ruf erstmal meine Mama an“, brachte ich irgendwann heraus, während Kiwipapa schon die erste Schwangerschaftsapp auf seinem Handy installierte. Am Telefon platzte es auch sofort aus mir heraus.

„Ich bin schwanger!“ Ich wusste nicht, ob ich glücklich oder verstört klang. „Ehrlich? Ohhhh! Wie toll!“ Meine Mama freute sich, damit hatte ich gerechnet. Aber sie freute sich nicht ganz so doll, wie gedacht. „Warst du schon beim Arzt?“ „Nein, aber ich hab gerade einen Test gemacht.“ Sie zögerte. „Sind die denn immer zuverlässig?“ „Wenn positiv angezeigt wird glaube ich schon.“ Hatte ich zumindest gelesen. „Das ist ja toll!“, wiederholte sie und freute sich wirklich, aber ich kenne meine Mama. Wir teilen das gleiche Freu-dich-nicht-zu-früh-Gen. Alles Mögliche konnte noch schiefgehen. Vielleicht war der Test doch falsch. Vielleicht passierte noch etwas mit dem Kind. Vielleicht war es nicht gesund?

Die nächste Sorgenwelle rollte heran und ich machte nach dem Telefonat erstmal einen Termin beim Arzt. Oder versuchte es zumindest. Denn wie sich herausstellte hielt es dort niemand für nötig, mich sofort in den nächsten Tagen zu untersuchen, um zu schauen, ob ich denn auch wirklich schwanger war. Ich bekam einen Termin in zwei Wochen.

„Ist das nicht viel zu spät?“, erwiderte ich verwirrt.

„Vorher kann man auf dem Ultraschall sowieso noch nicht viel erkennen“, meinte die Sprechstundenhilfe nur.

„Ja aber, bin ich denn jetzt wirklich schwanger? Kann so ein Test falsch sein?“

„In der Regel nur falsch negativ. Wenn er positiv ist, sind Sie schwanger. Herzlichen Glückwunsch!“

„Danke“, murmelte ich ins Telefon und legte auf.

Tja, dann war ich wohl tatsächlich schwanger. Und nach der ersten Stunde danach freute ich mich auch. Die Sorgen und Zweifel blieben allerdings. Am nächsten Tag machte ich noch einen Test – sicherheitshalber. Wieder positiv. Ich versuchte mir die Zukunft mit Baby vorzustellen, aber die Ängste waren einfach zu groß. Es konnte ja tatsächlich noch etwas passieren, die ersten drei Monate gelten ja noch als sehr unsicher. Und was wäre, wenn ich eine Fehlgeburt hätte?!

Ihr seht, ich bin eher von der ängstlichen Sorte bei diesem Thema. Und in der ersten Zeit traute ich mich kaum, mich zu freuen, wenn die Angst vor der eigenen Courage mal nachließ. Ich fieberte auf das Ende dieser verflixten drei Monate hin. Zwischendurch erlaubte ich mir immer wieder wohl portionierte Glücksgefühle. Und gerade dann, als ich langsam etwas ruhiger wurde, fing die Übelkeit an. Und sie sollte erst einmal laaange Zeit nicht mehr aufhören…

– Weiter geht’s im nächsten Rückblick 🙂 –

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