Die Stillabstände verlängern

Stillabstände

 

Ich erwähnte ja bereits in einem anderen Post, dass Kiwi nach der Geburt sehr oft gestillt werden wollte. Quasi dauernd.

Ich hatte Aussagen wie „Man kann gar nicht zu viel stillen!“ oder auch den berühmten Begriff „Cluster-Feeding“ im Kopf und dachte mir, da muss ich eben durch. Ich legte sie also immer an, wenn ich das Gefühl hatte, dass sie Hunger hatte – also immer, wenn sie weinte nach meiner damaligen Auffassung als Neu-Mama.

Kiwi trank auch immer, schlief jedoch nach sehr kurzer Zeit schon wieder ein. Meine Hebamme empfahl sie zwischendurch zu wickeln, damit sie wieder wach wird. Sie trank dann wieder kurz und schlief wieder ein. Weil sie immer schlief, machte sie auch nie ein Bäucherchen.

Das Ganze entwickelte sich jedoch sehr schnell zum Teufelskreis. Kiwi weinte, ich legte sie an, sie trank kurz und schlief ein, machte kein Bäuerchen, wachte irgendwann schnell wieder auf, weil sie entweder wieder Hunger oder Luft im Bauch hatte, weinte wieder, ich legte sie an…

Meine Hebamme empfahl mir, die Abstände der Stillmahlzeiten zu strecken, indem ich Kiwi entweder ablenkte oder ihr Wasser/Fencheltee gab (wichtig war, normalen Fencheltee zu geben und keinen Baby-Fencheltee, weil diese oft gezuckert sind).

Wir versuchten den Tee – Kiwi spuckte ihn wieder aus.

Wir versuchten Wasser – das wurde kurz akzeptiert.

Wir versuchten Ablenkung – klappte nur begrenzt.

Recht schnell gaben wir unser Vorhaben wieder auf. Noch immer mit den weisen Worten der vielen Ratgeber im Kopf „Legen sie ihr Kind immer dann an, wenn es Hunger hat!“ Oder auch „Ihr Kind weint? Probieren sie zuerst, ob es Hunger hat“.

Irgendwann so in der 4 Woche war es aber so schlimm, dass sie andauernd weinte – laut! Dann gab es einen Tag, an dem schrie sie immer wieder wie am Spieß. Ich war völlig fertig mit den Nerven und mein Mann auch. Also riefen wir die Hebamme an. Diese kam sofort vorbei und ich schilderte ihr mein Problem.

Sie fragte sofort nach den Stillabständen. Ich erklärte ihr unsere vergeblichen Versuche und sie machte noch einmal deutlich, wie wichtig es sowohl für mich (und meine Nerven) als auch für Kiwi war, einen Stillrhythmus zu finden, bei dem mindestens zwei Stunden Abstand zwischen den Mahlzeiten lagen. Überhaupt einen kleinen Rhythmus für den Tag zu haben sei wichtig. Ich dachte sofort an sämtliche Ratgeber, in denen quasi das Gegenteil stand. Den Rhythmus gäbe das Baby vor und man solle sich danach richten. Das mag auch bei einigen Babys klappen, aber bei Kiwi war das nicht der Fall.

Nach diesem anstrengenden Tag waren wir also wild entschlossen, die Stillabstände auf mindestens zwei Stunden zu verlängern. Und auch dann wurde der Tee wieder ausgespuckt, auch dann klappte Ablenkung zur bedingt und auch Wasser war nicht so der Renner. Aber wir hielten durch. Ich aus zwei Gründen:

1. Mein Mann pochte auf die Stillabstände und ging einfach mit ihr spazieren, wenn sie weinte. Dann beruhigte sie sich sehr schnell. Wenn sie unterwegs weinte, gab er ihr Tee und fuhr über unebene Flächen – auch das klappte gut.

2. Ich hatte an Kiwi gesehen, dass sie unglücklich war und hatte die Worte der Hebamme im Ohr, dass die Abstände auch für Kiwi wichtig seien.

Und siehe da – es wurde besser. Nach drei Tagen schon sogar deutlich besser. Von Tag zu Tag wurde Kiwi zufriedener und die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten liegen mittlerweile wirklich minimal bei zwei Stunden. Momentan eher bei drei oder auch länger. Nachts eher bei vier (heute Nacht hat sie sogar 7 1/2 Stunden am Stück geschlafen, aber das war die absolute Ausnahme 😉 ).

Natürlich weint Kiwi noch – manchmal sogar ganz schön lang und ganz schön laut. Aber es ist nicht immer Hunger, der sie treibt. Viel öfter als gedacht ist sie eigentlich müde und will schlafen, schafft es aber einfach nicht. Manchmal hilft auch eine Bauchmassage. Manchmal will sie auch einfach beschäftigt werden.

Gelernt habe ich mittlerweile:

1. Wenn Kiwi schreit, hat sie nicht immer einfach nur Hunger. Oft will sie beschäftigt werden, kuscheln, muss mal pupsen oder kommt einfach nicht in den Schlaf. Sie zu stillen ist nicht immer Mittel der Wahl.

2. Auch so ein kleines Baby braucht kleine Regelmäßigkeiten im Tagesablauf. Seit wir die Abstände zwischen den Stillmahlzeiten ausweiten konnten, können wir auch das angehen. Das Resultat ist ein zufriedeneres Kind und entspanntere Eltern 🙂

3. Völlige Selbstaufgabe kann nicht Sinn und Zweck einer Stillbeziehung sein.

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