Die Geschichte von den Zwiegeln

Zwiegel

 

Es war einmal, in einem weit entfernten Land, da lebten die Zwiegel. Die Zwiegel waren kleine, menschenähnliche Kreaturen, die ihren Lebenssinn darin sahen, anderen zu helfen. Nur leider wussten die Menschen nichts von ihnen! Niemand konnte also ihre Hilfe in Anspruch nehmen!

Nur einer kannte ihr Geheimnis und sein Name war – Kiwipapa!

Und so geschah es, dass Kiwipapa eines nachts erwachte und eine Stimme hörte, die so etwas sagte wie „Kannst du bitte Kiwi wickeln?“. „Kein Problem!“, dachte sich Kiwipapa entspannt, denn er wusste, dass die Zwiegel die Arbeit für ihn übernehmen würden. „Und was ist mit den Zwiegeln?“, fragte er deshalb die Stimme leicht verwirrt. Wusste sie denn nicht über diese wundersamen Kreaturen bescheid? Beruhigt schlief er wieder ein, mit dem Wissen, dass die kleinen Helferlein diesen Job schon übernehmen würden. Und so geschah es auch! Am nächsten Morgen sah er,  dass Kiwi tatsächlich in der Nacht gewickelt worden war. Nur Kiwimama schaute ihn ziemlich verärgert an. Warum nur?

Ja, warum war Kiwimama eigentlich so sauer? Das ist leicht erklärt, was sich nämlich tatsächlich ereignete, war das Folgende:

Seit ein paar Tagen waren wir mit Kiwi aus dem Krankenhaus zu Hause angekommen. Und wir waren vor allem eins – unglaublich, unfassbar, unbeschreiblich müde!

Kennt ihr die Folge von How I Met Your Mother in der Marshall und Lilly gerade ihren Sohn bekommen haben und immer, wenn jemand mit ihnen redet, wird die ganze Unterhaltung noch einmal aus ihrer Perspektive eingeblendet? Was man sieht ist eine blubbernde, wabernde Unterwasserwelt. Worte kommen kaum bei ihnen an. Ich wusste gar nicht, wie nah an der Realität diese Szene tatsächlich war!

Kiwi hatte noch keinen wirklichen Tag-Nacht-Rhythmus gefunden und war quasi gleichmäßig verteilt über Tag und Nacht mal wach und mal schlafend. Dazu kam, dass sie dauernd gestillt werden wollte. Ich glaube, in dieser Zeit habe ich nachts vielleicht zusammengezählt maximal drei Stunden Schlaf bekommen. Kiwipapa etwas mehr, dadurch, dass er sie nicht stillte, aber auch er war weit von einem „erholsamen Schlaf“ entfernt. Um mich zu entlasten bot er mir also ein, Kiwi nachts zumindest zu wickeln, wenn er sie schon nicht stillen konnte. Das tat er auch immer, pflichtbewusst wie er war. Nur in einer Nacht hatte ihn die Schlaflosigkeit so sehr im Griff, dass er scheinbar außerstande dazu war, aufzuwachen. Unsere Unterhaltung in dieser Nacht sah so aus:

Kiwimama (flüstert): „Schatz? Könntest du Kiwi wickeln? Ich bin fertig mit stillen.“

Kiwipapa reagiert nicht.

Kiwimama (etwas lauter und rüttelt an Kiwipapas Arm): „Schatz? Wickelzeit!“

Kiwipapa (wacht auf): „Was?“

Kiwimama: „Kiwi muss gewickelt werden.“

Kiwipapa (leicht verwirrt): „Und was ist mit den Zwiegeln?“

Kiwimama (noch verwirrter): „Was? Den was?“

Kiwipapa: „Den Zwiegeln!“

Kiwimama (denkt, sie ist so übermüdet, dass sie Wörter schon nicht mehr versteht): „Den WAS?“

Kiwipapa (murmelnd, dann schläft er ein): „Den Zwiegeln… Zzzzzzz“

Kurze Pause, in der Kiwimama versucht, den Sinn seiner Worte zu erfassen.

Kiwimama (etwas energischer): „Schatz, was redest du da? Du musst wickeln!“

Kiwipapa: Zzzzzzzz….

Kiwimama (rüttelt an seinem Arm): „Wach auf! Du musst wickeln!“

Kiwipapa: „Ja, mach ich.“ (Schläft sofort wieder ein)

Kiwimama (etwas sauer): „Schaaaatz! Wach jetzt auf! Du-musst-wickeln!“

Kiwipapa: „Ja, ok. Mach ich.“ (Schläft SOFORT wieder ein)

Kiwimama (sehr, sehr sauer): „Schatz, wach jetzt auf! DU-MUSST-WICKELN!“

Kiwipapa (ebenfalls mit zorniger Stimme): „JAHA! Mach-ich!!“ (schläft schnarchend wieder ein)

In diesem Moment hab ich aufgegeben. Ich wollte meine Energie nicht weiter verschwenden, stand auf, und wickelte Kiwi eben selbst. Ich war ihm im ersten Moment zwar etwas böse, aber übelnehmen konnte ich ihm das natürlich nicht. Ich war ja auch hundemüde und wusste, wie er sich fühlte.

Am nächsten Morgen erzählte ich Kiwipapa die Geschichte und der hatte daraufhin solche Gewissensbisse, dass die nächste Unterhaltung in der Nacht tatsächlich so aussah:

Kiwimama (flüstert, kann die Uhr nicht sehen): „Schatz? Kannst du mir sagen, wie spät es ist?“

Kiwipapa (springt aus dem Bett und breitet die Arme aus, um Kiwi zu nehmen): „Ja! Bin bereit!“

Kiwimama (lachend, den Tränen nahe): „Du musst nicht wickeln, ich wollte nur die Uhrzeit wissen.“

Haben also doch etwas Positives mit sich gebracht diese Zwiegel! 😉

Und die Schlaflosigkeit hat sich mittlerweile auch auf ein hinnehmbares Level eingependelt 🙂

3 thoughts on “Die Geschichte von den Zwiegeln

  1. Ich habe gerade sooo sehr lachen müssen, als ich euren Dialog gelesen habe! Wir haben zwar noch keine Kinder und sind daher weit entfernt von der totalen Übermüdung, aber dieses Gespräch hätte genauso auch bei uns stattfinden können! Mein Mann gibt nachts auch gerne mal wirres Zeug von sich… Vielleicht sollte ich mir das auch mal aufschreiben, damit ich immer wieder was zu lachen habe

  2. Hallo Katrin,

    oha, dann berichte mal von den Gesprächen im Wochenbett, wenn es soweit ist. Die werden sicher legendär! 😉

    Liebe Grüße
    Kiwimama

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