Die erste Begegnung mit dem Kiwikater

Kiwikater2

 

– Katze und Baby – geht das? Teil 2 –

Das erste Mal begegnete ich unseren Kater vor etwa vier Jahren.

Ich saß gerade im Wohnzimmer unserer damaligen „Studentenwohnung“ und hatte freie Sicht auf die Mini-Terrasse samt noch kleineren Mini-Garten (man könnte es auch als 5qm Erde bezeichnen). Über den hohen Holzzaun sah man immer mal wieder eine Katze balancieren, aber nie waren sie noch so klein wie die, die sich jetzt gerade ihren Weg dort bahnte! Und so hübsch! Mein Katzenherz schlug augenblicklich höher und ich öffnete vorsichtig die Terrassentür, um den Neuankömmling nicht zu verscheuchen. Als dieser hörte, wie sich die Tür öffnete, wollte er allerdings sofort abhauen und machte sich schon zum Absprung auf die andere Zaunseite bereit.

Das konnte ich nicht zulassen!

Ich benutzte also meine sämtlichen Katzenflüsterer-Skills und beschwor die kleine Katze mit Engelszungen doch nicht wegzugehen. Tatsächlich zögerte sie und beäugte mich skeptisch. Dann setzte sie sich erstmal hin und wartete ab. Ich tat das gleiche – es war immerhin Sommer und auf Lernen hatte ich gerade sowieso keine Lust. Um sie nicht zu verunsichern, sah ich bewusst woanders hin. Irgendwann nahm ich mir ein Buch und begann zu lesen – bis ich ein schüchternes „Miau“ neben mir hörte. Triumphierend wandte ich den Blick zu dem schwarz-weißen Geschöpf neben mir und steckte ihm meine Hand entgegen. Diese wurde vorsichtig beschnuppert und ich wagte einen ersten Streichelversuch. Kurze Zeit später schmiegte sich das kleine Fellbündel schnurrend an meine Seite. Ich war glücklich, Katze auch. Alles gut.

Zu diesem Zeitpunkt machte ich mir noch keine Gedanken darüber, ob mein neuer Freund denn auch ein ordentliches zu Hause hatte. Für einen Streuner war sein Fell viel zu glänzend und er wirkte auch nicht hungrig.

Die nächsten Tage und Wochen bekam ich immer mal wieder Besuch von ihm. Dann, als die Tage grauer wurden, kam er allerdings irgendwann gar nicht mehr. „Schade“, dachte ich. „Aber drinnen gefällt’s ihm wahrscheinlich besser.“

Es verging fast ein ganzes Jahr, ohne, dass ich den Kater wiedergesehen hätte. Und dann im Frühling – völlig unverhofft – saß er plötzlich wieder vor meiner Terrassentür. Ich brauchte einen Moment, um ihn wiederzukennen. Groß war er geworden! Und sogar noch hübscher!

Der Kiwikater sah so erwartungsvoll und selbstverständlich zu mir herein, als sei er nie weggewesen. Als ich die Tür öffnete, zögerte er kurz und ließ sich dann jedoch sofort von mir streicheln. Allerdings miaute er dieses Mal mehr und wirkte ein wenig rastlos. Mir schien es, als hätte er Hunger. Auch beim Streicheln entdeckte ich einige Knötchen im Fell, die ich irgendwann als Zecken identifizierte. Langsam wurde ich ein wenig skeptisch. Hatte er vielleicht doch kein zu Hause? Allerdings wollte ich auch keine fremde Katze anfüttern, die vielleicht jemandem aus der Nachbarschaft gehörte. Eine Tätowierung hatte er nicht, allerdings wurden ja mittlerweile auch eher Chips verwendet.

Ich beobachtete ihn noch eine Zeit lang. Ja, irgendetwas stimmte nicht. Ich tippte verstärkt auf Hunger. Katzenfutter hatte ich natürlich nicht im Haus, also schnappte ich mir kurzerhand meine Jacke und marschierte zum naheliegenden Combi. Zurück kehrte ich mit einer kleinen Packung Trockenfutter, von dem ich ihm ein wenig aus meiner Hand fütterte. Er schlang es direkt herunter, strich um mich herum und miaute. Also gab ich ihm eine ganze Schüssel. Auch die hatte er im Nu geleert, wirkte kurze Zeit später schon wesentlich entspannter und setzte sich erst einmal in die Sonne, bis ihn eine andere Katze von seinem Platz und von unserer Terrasse vertrieb. Ich machte mir gleichzeitig Sorgen und hatte ein schlechtes Gewissen. Wenn er nun ein zu Hause hatte und ich ihn einfach fütterte? Oder wenn er kein zu Hause hatte und ich ihn nicht genug gefüttert hatte? Was, wenn er nicht wieder kam?

Diese Sorge war jedoch unbegründet, denn gleich am nächsten Tag saß der Kiwikater pünktlich früh am morgen wieder vor unserer Terrassentür. Und wieder hatte er ordentlich Hunger mitgebracht!

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