Das schwarze Schaf und das Rätsel der verschwundenen Haushaltshilfe (#InfoRant)

SchwarzesSchaf

Lieber Service-Mitarbeiter*,

wie ich dir am Telefon gestern erzählte, hatte ich am Dienstag einen Autounfall und habe leider eine Verletzung davongetragen. Durch diese Verletzung ist es mir nicht möglich, meine kleine Tochter ohne Schmerzen zu versorgen, weshalb sich mein Mann Urlaub genommen hat. Das bedeutet natürlich weniger Urlaubstage im Sommer oder zu Weihnachten, die wir eigentlich gerne als besondere Familienzeit gestaltet hätten. Nun gut, da kann man nichts machen. Ist eben so.

Tatsächlich bin ich dann gestern zu meinem Hausarzt gegangen. Das hatte mir der Arzt im Krankenhaus geraten, sollte ich weiterhin Schmerzen haben. Dieser untersuchte mich, verschrieb mir Massagen, Schmerzmittel und Fangopackungen und außerdem eine Haushaltshilfe. Eine Haushaltshilfe? Ja, da hast du tatsächlich richtig gehört, auch ich war ganz überrascht davon, dass es so etwas gibt. Er erklärte mir das so: 

Da ich mich momentan nicht um unsere Tochter kümmern kann, gibt es die Möglichkeit, eine Haushaltshilfe zu beantragen, die diese „Arbeit“ übernimmt. Diesen „Job“ könnte allerdings auch einfach mein Mann erledigen und zu Hause bleiben. Sein Lohnausfall für diese Zeit würde dann zu einem bestimmten Prozentsatz von der Krankenkasse übernommen werden.

Wahnsinn! Ich war hocherfreut über eine solche Regelung. Sofort rief mein Mann daraufhin bei seiner Krankenkasse an. Diese sagte ihm, dass das tatäschlich möglich sei, der Antrag allerdings – als Geschädigte – über meine Krankenkasse laufen müsse.  Wir sollten uns einfach den entsprechenden Antrag dort besorgen.

So, lieber Service-Mitarbeiter, und nun kommst du ins Spiel.

Ich rief also bei dir an und wurde nach langer Wartezeit auch tatsächlich zu dir durchgestellt. Daraufhin erklärte ich dir mein Anliegen…

… und wurde prompt von dir ausgelacht.

Eine Haushaltshilfe? Davon hättest du ja noch nie gehört! Außerdem, was hätte die mit meinem Kind zu tun? Die ist ja nicht dafür da, um auf meine Tochter aufzupassen. Und überhaupt, wie käme ich auf die Idee?

Ich muss zugeben, ich war im ersten Moment sprachlos. Als ich meine Worte wiederfand erzählte ich dir erneut von meinem Arztbesuch und auch davon, was dieser mir mitgeteilt hatte.

Verächtlich antwortetest du mir, dass du überhaupt nicht verstündest, wieso mir mein Arzt so einen Unsinn erzähle. Und meintest außerdem herablassend:

„Wieso sollten WIR SIE dafür bezahlen, dass SIE sich um IHRE Kinder kümmern?!“

Jetzt musste ich erstmal schlucken und wurde langsam wütend. Erneut, dieses Mal mit etwas bestimmterer Stimme, erklärte ich dir die Auskünfte, die ich von verschiedenen Seiten erhalten hatte und, dass ich es mir daher nicht vorstellen könne, dass mein Anliegen so an den Haaren herbeigezogen sei.

Du fragtest mich daraufhin spöttisch, was mir so eine Haushaltshilfe denn überhaupt bringen sollte? Dass die bei mir aufräumt?

Noch einmal wies ich dich darauf hin, dass es nicht um Aufräumen, sondern die Kinderbetreuung ging.

Das war dir allerdings herzlich egal, denn daraufhin wiederholtest du immer wieder deinen scheinbar neu gewonnenen Lieblingssatz, wieso uns jemand dafür bezahlen sollte, dass wir uns um unsere Kindern kümmerten.

So ging es eine Zeitlang hin und her. Du machtes mein Anliegen lächerlich und ich versuchte dir immer wieder zu erklären, dass es doch nicht sein könne, dass ich hier mit einem Attest vom Arzt sitze, auf dem steht, dass mir eine Haushaltshilfe zustünde, dass auch die Krankenkasse meines Mannes uns darüber aufklärte und ich mittlerweile auch im Internet Informationen dazu gefunden hatte, wenn dir doch „so etwas“ noch nie zu Ohren gekommen sein solle.

Irgendwann brachtest du ein verächtliches: „Ich hab da so eine Ahnung… Sagen Sie mir mal Ihre Servicenummer“ hervor. Diese nannte ich dir, du gabst Sie in deinen Computer ein und schnaubtest herablassend: „Dachte ich’s mir doch… Sie sind Beamtin…“

Ja, lieber Service-Mitarbeiter, ich bin Beamtin. Lehrerin um genau zu sein. Ich setze mich in meinem Beruf dafür ein, dass Kinder – vielleicht sogar deine? – auf ihre Zukunft vorbereitet werden. Trockne Tränen, höre mir Sorgen und Nöte an, bereite hoffentlich spannenden Unterricht vor, beratschlage mich mit den Eltern über mögliche Probleme und verwende Teile meiner Freizeit, um meinen Job so gut wie möglich zu machen. Um ehrlich zu sein verstehe ich deshalb nicht, weshalb das Wort „Beamtin“ es verdient, mir wie ein Schimpfwort um die Ohren gehauen zu werden.

Du erklärtest mir nun, dass mir eine derartige Hilfe nicht zustünde, weil ich Beamtin sei (also wäre es sonst doch möglich gewesen?) und wiesest mich noch mit den spöttischen Worten: „Tja, manchmal ist es eben auch negativ, besser gestellt zu sein“ darauf hin, dass ich auf Grund dessen keine Leistungen seitens der Krankenkasse zu erwarten habe.

Ich beließ es dabei und verabschiedete mich.

Völlig entgeistert ging ich die Treppen nach unten zu meinem Mann und erzählte ihm, was passiert war. Dieser war – wie ich – fassungslos.

Ich rief kurz darauf erneut bei der Krankenkasse an, dieses Mal in der Zentrale. Dort schilderte ich noch einmal mein Anliegen und stieß scheinbar auf eine kompetentere Mitarbeiterin. Diese hatte nämlich – Überraschung! – tatsächlich schon einmal von so einer Haushaltshilfe gehört, erklärte mir jedoch, dass diese Tätigkeit nicht von einem nahen Verwandten ausgeführt werden dürfte. Außerdem erfuhr ich, dass es einen Unterschied gäbe, ob man privat oder gesetzlich versichert ist. Bei gesetzlich Versicherten funktioniere es nämlich durchaus so, wie mein Hausarzt es mir erklärt hatte. Bei einer (/meiner?) privaten Krankenversicherung allerdings nicht. Sie nannte mir außerdem noch andere Stellen, an die ich mich wenden könnte, sollte ich versuchen wollen Unterstützung zu erhalten. Ich bedankte mich für Ihre Auskunft und informierte meinen Mann über den Stand der Dinge.

Denn siehst du, lieber Service-Mitarbeiter, mir ging es doch gar nicht darum, dass man „UNS dafür bezahlt, dass WIR uns um UNSERE Kinder kümmern“ (und um ehrlich zu sein frage ich mich, ob ich mir einen derartigen Satz auch hätte anhören müssen, wenn ich mit einer anderen Mutter geredet hätte). Eigentlich ging es mir nur darum, eine Auskunft über diese Art der Unterstützung zu erhalten, von der ich vorher noch nie etwas gehört hatte und die mir auch tatsächlich eine sehr große Hilfe gewesen wäre.

Ich weiß jetzt, dass das einer der wenigen Punkte zu sein scheint, bei denen privat Versichte tatsächlich schlechter gestellt sind, als gesetzlich Versicherte. Und das ist ja auch völlig in Ordnung so! Der ursprüngliche Plan sah ja auch vor, normale Urlaubstage zu nehmen. Ich wäre um ehrlich zu sein nie auf die Idee gekommen, von meiner Versicherung eine Haushaltshilfe oder Lohnausgleich zu fordern. Nur, wenn einem diese Möglichkeit vom Hausarzt angeboten wird, wieso sollte ich sie dann nicht auch in Anspruch nehmen? Das wäre doch immerhin mal eine richtig familienfreundliche Lösung gewesen!

Na ja, lieber Service-Mitarbeiter, ich bin jetzt jedenfalls schlauer und weiß, dass eine derartige Leistung bei euch nicht vorgesehen ist. Diese Info hätte ich aber, um ehrlich zu sein, lieber auf eine ganz andere Art und Weise erhalten.

Liebe Grüße

die Beamtin

Übrigens: Man könnte diesen Artikel wohl auch als so eine Art #InfoRant bezeichnen, denn, sieht man mal von meinem Geschimpfe ab, findet ihr einige wichtige Infos für euch, solltet ihr mal nicht Stande sein, euch um eure Kinder zu kümmern! 😉

———

*Ursprünglich hatte ich überlegt, den Namen der Krankenversicherung, um die es sich handelt, zu benennen. Da ich mit dieser jedoch bisher nur positive Erfahrungen gemacht habe und es in jeder Berufsgruppe „schwarze Schafe“ gibt (man munkelt, auch in meiner eigenen 😉 ), habe ich mich dazu entschieden, das Unternehmen nicht zu nennen.

11 thoughts on “Das schwarze Schaf und das Rätsel der verschwundenen Haushaltshilfe (#InfoRant)

  1. Oh je, der Sevicemitarbeiter hätte aber auch echt netter sein können es. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er, nur, weil er nicht für eine gesetzliche Krankenkasse arbeitet, noch nie von einer Haushaltshilfe gehört hat. Es ist wirklich mies, wie er dich behandelt hat. Gut, dass du nochmal angerufen hast und das dann erklärt bekommen hast. Ich hätte allerdings auch gedacht, dass dein Arzt das wüsste, aber naja, es kann ja nicht immer jeder an alles denken.

    1. Da der Arzt mich noch einmal extra gefragt hat, bei welcher Versicherung ich bin, hat mich das um ehrlich zu sein auch verwirrt. Na ja, aber die steigen bei solchen Sachen wahrscheinlich auch nicht immer durch!

  2. In der Tat bekommt man bei allen privaten Krankenkassen keine Haushaltshilfe, außer man hat ein Krankentagegeld vereinbart, dann würdest du darüber Geld erhalten. Nur gesetzlich Versicherte erhalten diese sog. Haushaltshilfe. Wie du siehst hat es Vorteile mit einem Betriebswirt, Fachrichtung Versicherung, verheiratet zu sein, der sich damit auskennt ;-). Unverschämt ist es allemal so herablassend behandelt zu werden. Kann deinen Ärger gut nachvollziehen. Unterstützung könntest du allerdings über die gemeinnützige Organisation well-come (http://www.wellcome-online.de/) erhalten. Die differenzieren nicht, ob man Beamter ist oder nicht. Ich wünsche Dir eine gute Besserung, und vor allem rege dich nicht auf, man trifft (leider) immer wieder auf so Hohlköpfe.

    1. Ein kleiner Nachtrag: wellcome hilft vor nur bis zu einem Jahr nach der Geburt, dafür aber auch sehr umfassend, wie ich finde. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter, kümmern sich um das Kind, auch um die Geschwisterkinder, begleiten zum Arzt, helfen im Haushalt oder hören einfach nur zu. Liebe Grüße!

    2. Vielen Dank für den tollen Kommentar! Das sind wichtige Informationen, die bestimmt auch einigen anderen hier weiterhelfen werden! 🙂

  3. Echt unfassbar wie der Mitarbeit mit dir gesprochen hat. Da werde ich auch richtig sauer. Ich hoffe, du hast dir den Namen gemerkt und beschwerst dich nochmal. So was geht gar nicht. Der verfügt über Zugang zu vertraulichen Daten von dir und du wendest dich in einer Notsotuation an ihn und wirst so herablassend abgefertigt.
    Ich hoffe, es geht dir bald besser und du kannst wieder mit Kiwi auf dem Boden toben.
    Liebe Grüsse,
    Juli

    1. An den Namen kann ich mich leider nicht erinnern, darüber hab ich mich auch schon geärgert. Ich war während des Gesprächs einige Male versucht danach zu fragen, ob mich mal mit seinem Vorgesetzten sprechen könnte. Hätte ich mal machen sollen! Aber so, wie ich ihn einschätze, hätte er wohl einfach aufgelegt.
      Danke für die Genesungswünsche! Es wird langsam besser, die Massage gestern hat echt schon was gebracht 🙂

  4. Unglaubliche Geschichte! Ich habe selbst nach der Geburt der Zwillinge mehrmals eine Haushaltshilfe bekommen, zwar nach viel Gefrage und Formulargebaren, aber es ging. Ich habe von einigen Fällen gehört wie schwierig das bei vielen Krankenkassen ist und wie ungern eine Haushaltshilfe bewilligt wird. Mein Tipp: Sehr bestimmt auftreten und seine Rechte im Vorfeld kennen! Aber bei so Typen wie Deinem Serviceberater biste echt baff – und ziemlich machtlos! LG Verena

    1. Ja „machtlos“ beschreibt es gut! Was will man machen, wenn einem gesagt wird „Nope, sowas gibt es nicht“. Da ist man dann irgendwann auch am Ende mit seinen Argumenten.

  5. Grauenvoll solche Service-Mitarbeiter … Richtig unverschämt … Mir verschlägt es immer die Sprache bei sowas. Leider ist der Service in Deutschland ja, zumindest meiner Erfahrung nach, eher mies … Also ehrlich, selbst wenn man keinen Anspruch hat auf bestimmte Leistungen, kann einem das ja wohl wenigstens respektvoll mitgeteilt werden. Manche Menschen sind wohl in ihrem eigenen Beruf so unzufrieden, dass ihr einziges Glück ist andere anzuranzen. Eigentlich traurig …

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