Was Babys mit Betriebssystemen gemeinsam haben…

BetriebssystemBaby

Kennt ihr das auch?

Ihr stitzt, wiedermal, neben euren Eltern am PC, weil „da schon wieder irgendetwas komisch ist“ und ihr den Fehler beheben sollt. Nach dem schier unendlichen Hochfahren des Rechners übernimmt euer geliebter Elternteil sofort selbstbewusst das Steuer.

„Also pass auf, deine Tante hat mir eine E-Mail geschickt, aber die finde ich nirgendwo! Guck mal…“

Ihr seht, wie sich der Mauszeiger in Richtung Internet Explorer bewegt.

Der Anblick dieses Icons bringt euch ein wenig zum Schmunzeln, aber noch seid ihr gelassen.

Rechtsklick auf das Icon.

Eure rechte Augenbraue hebt sich.

Klick auf „öffnen“.

Ihr bemerkt, wie ihr euch innerlich verkrampft, aber noch bleibt ihr cool und beißt euch auf die Lippen. Alles halb so wild.

Google erscheint als Startseite und – sagen wir euer Vater – beginnt, unendlich langsam, in das Google-Suchfeld zu tippen.

„G-O-O-G-L-E“

Beide Augenbrauen sind nun auf „Ist das dein Ernst?!“-Höhe. Aber ihr sagt nichts. Schweigend ertragt ihr euer Martyrium.

Natürlich erfolgt kein Enter, sondern ein Klick auf das Feld „Google-Suche“. Es erscheint… na? Google natürlich.

Euer Vater beginnt erneut, nach einem langsamen Klick in das Suchfeld, mit dem Tippen.

„www.web.de“

Langsam steht euch der Schweiß auf der Stirn und euer Auge beginnt zu zucken.

Euer Gegenüber klickt in den Suchergebnissen auf „Web.de“ und schafft es irgendwie, sich mit seinem E-Mail-Account anzumelden. Er scrollt, indem er immer wieder auf den kleinen Pfeil rechts unten am Bildesrand drückt und klickt sich umständlich zu seinen Mails durch.

„Guck! Hier ist keine E-Mail von ihr!“

„Hast du mal in deinem Spam-Ordner geschaut?“, bringst du mit zusammengebissenen Zähnen hervor und übernimmst, bevor das Fragezeichen auf dem Gesicht deines Gegenübers größer wird, mal schnell die Kontrolle über die Maus.

Die Mail ist gefunden, du wirst für deine „Computer-Skills“ gelobt und verlässt schweißgebadet den Raum.

Warum ich euch das erzähle?

Genau so ergeht es mir manchmal, wenn ich meinen Mann mit Kiwi beobachte!

Während ich schweigend so dasitze und die beiden betrachte, merke ich, dass Kiwis Stimmung langsam kippt, nehme die Überraschung meines Mannes, wenn sie „ganz plötzlich“ anfängt zu quengeln, selbst mit Überraschung wahr; bin genervt, wenn er nicht merkt, dass sie müde ist und mir auf meinen Hinweis darauf widerspricht. Sie sähe ja gar nicht müde aus. An guten Tagen erkläre ich ihm, dass Kiwi um diese Uhrzeit (solche Gespräche finden meist am Wochenende zu Kiwipapas eigentlich Arbeitszeit statt) ihr Nickerchen macht, sich gerade die Augen gerieben hat und ich es einfach an ihrem Blick erkenne, dass sie müde ist. An schlechten Tagen bekommt er von mir nur ein geknurrtes „Glaub mir, sie ist müde“ zu hören und an ganz schlechten Tagen sogar ein „Hab ich doch gesagt“, wenn der Einschlafversuch auf Anhieb gefruchtet hat.

Und das ist absolut nicht fair!

So ein kleines Menschlein ist ja schließes kein starres System, dessen „Bedienung“ man nach der entsprechenden Anzahl an Versuchen beherrscht.

Da gibt es Updates, plötzliche Fehlermeldungen oder völlig neue Programme, die man noch gar nicht kennt.

Da ich 24 Stunden am Tag mit Kiwi verbringe, bekomme ich solche Änderungen natürlich sofort mit und kann sie in mein „Handling“ mit einbauen. Mein Mann hingegen hat immer nur abens ein sehr begrenztes Zeitfenster zur Verfügung, das gerade so für eine Stunde kuscheln/spielen, füttern und Gute-Nacht-Sagen reicht.

Und am Wochenende steht er dann da, ist noch immer auf die Funktionalitäten von Windows 7 eingestellt, während ich bereits damit beginne, mich nach einem erneuten Entwicklungsschub mit der neuen Arbeitsfläche von OS X vertraut zu machen. Da findet er die Dinge plötzlich nicht mehr am selben Platz wie zuvor („Schatz? Wo sind denn jetzt die Strumpfhosen?“), bekommt Fehlermeldungen, die er nicht kennt („Wieso weint sie denn jetzt plötzlich?“) und steht staunend vor neuen Updates („Hast du gesehen, was sie gerade gemacht hat?!“) oder völlig neuen Programmen („Wie macht man denn jetzt den Mittagsbrei?“). Das Gemeine ist: Diese Änderungen kommen und gehen oft rasend schnell, so dass es für ihn gar nicht möglich ist, immer up-to-date zu bleiben – so sehr er sich auch reinhängt.

Natürlich gibt es auch Passwort- und Lizenzgeschützte Bereiche. Für das Stillen z.B. hatte ich eine einmalige Lizenz. Zwar gibt es auch die Freewareversion in Form von Fläschchen, die benutzerunabhängig genutzt werden kann, aber diese bietet nicht ganz so viele Features und benötigt viel mehr Equipment.

Passwortgeschützt war ziemlich lange das Programm „abends Einschlafen“ und ließ sich nur von mir durchführen, während Kiwipapa plötzlich fatale Fehlermeldungen erhielt. Aber auch hier gab es irgendwann einen Bugfix, so dass auch mein Mann wieder zum Zug kommen konnte.

Und während ich dann manchmal daneben stehe und ihm eigentlich gern die Maus aus der Hand reißen würde, wenn er umständlich versucht, Kiwi ihre neue Jacke anzuziehen oder ihr Kürbisbrei zum Mittag macht, beiße ich mir auf die Lippe und versuche ihn einfach machen zu lassen. Ihn das alles einfach selber lernen und erfahren zu lassen.

Aber manchmal klappt das nicht. Manchmal bin ich müde, genervt oder einfach ungeduldig und kann mich nicht zurückhalten mit meinen Kommentaren. Manchmal nehme ich ihm die Maus sogar tatsächlich weg – meistens dann, wenn ich merke, dass Kiwis Stimmung deutlich kippt. Und manchmal bekommt er statt eines nett gemeinten Tipps auch einfach eine seufzende Anweisung.

Aber dann gibt es auch andere Tage. Tage an denen Kiwipapa plötzlich völlig neue Funktionalitäten und Updates entdeckt, die mir noch nie aufgefallen waren (z.B. dass man mit Kiwi ganz wunderbar Ball spielen kann). Manchmal merke ich auch, dass meine Art der Bedienung gar nicht die einzige ist, die ans Ziel führt und manchmal funktioniert bei Kiwipapa sogar alles plötzlich viel schneller und einfacher.

Und es sind genau diese Augenblicke, in denen ich merke, dass ich gar nicht der einzige Benutzer in diesem System bin. Dass ich nicht die einzige bin, die für dessen Wartung, dessen Design und Sicherheit zuständig ist. Ich habe noch einen anderen, wichtigen Nutzer an meiner Seite. Einen kompetenten Nutzer – auch, wenn ich ihm manchmal die Maus wegnehmen möchte.

Und gemeinsam mit diesem anderen Nutzer haben wir sehr viel Liebe in dieses Betriebssystem fließen lassen, was es unter anderem hat zu dem werden lassen, was es heute ist:

Unsere süße, liebenswürdige, lebensfrohe kleine Tochter, die uns jeden Tag unseres Lebens versüßt und, die uns stolz macht, Admins dieses unglaublichen, kleinen Wesens sein zu dürfen 🙂

5 thoughts on “Was Babys mit Betriebssystemen gemeinsam haben…

  1. Wie toll du das beschrieben und geschrieben hast! Einfach klasse! Undies tut gut, wenn man hört, dass auch andere Mütter gerne das Baby mal wegnehmen möchten , damit es schneller/einfacher/entspannter geht .
    liebe Grüße ,
    Lisa

    1. Vielen lieben Dank für das Kompliment! Das freut mich sehr 🙂
      Ja, ich glaube, es geht sehr vielen so. Mein Bruder hat sich kurz nach Kiwis Geburt mal schlapp gelacht, weil ich regelrechte „Zuckungen“ bekommen hatte, als ich meinen Mann mal mit Kiwi beobachtete 😀 So extrem ist es mittlerweile glücklicherweise aber nicht mehr 😉

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