Aufbruch aus dem Krankenhaus

– Die ersten Tage mit Baby – Teil 1 – 

Da standen wir also. Die Sachen gepackt und im Auto verstaut, alles Organisatorische erledigt, sich von allen verabschiedet und Kiwi im Maxi Cosi – leicht skeptisch schauend – vor uns auf dem Tisch.

Tja, und jetzt?

Zeit, das Krankenhaus zu verlassen und nach Hause zu fahren. Der Moment, auf den ich mich schon so gefreut hatte. Aber irgendwie war es nicht so, wie ich erhofft hatte. Das lag teilweise auch an der Tatsache, dass unter der Geburt unerwartet ein Kaiserschnitt gemacht werden musste (dazu mehr in den Schwangerschafts- und Geburtsrückblicken) und ich nicht so fit war wie erhofft, aber vor allem mischte sich noch ein Gefühl mit ein: Unsicherheit. Eigentlich hatte ich gehofft, dass meine ängstliche und unsichere Phase mit dem Ende der Schwangerschaft vorbei sein würde. Aber irgendwie schien dies nicht der Fall zu sein.

Der Kiwipapa schnappte sich den Maxi Cosi und trug ihn wie ein rohes Ei neben sich her – immer darauf bedacht, nirgendwo gegen zu stoßen. Ich trottete langsam neben den beiden her, hatte dabei aber noch ziemlich mit der Narbe zu kämpfen. Draußen angekommen regnete es: Und wir hatten weder Regenschirm noch richtige Decke für Kiwi (dafür musste eins meiner Stilltops herhalten). Das Auto stand noch ein wenig entfernt.

„Geh du schon mal mit ihr zum Auto“, sagte ich sofort, weil ich wusste, dass ich nicht so schnell laufen konnte und nicht wollte, dass Kiwi nass wird. „Sicher?“, mein Mann klang skeptisch. Ich nickte nur und scheuchte ihn los. Ich selbst schlich hinterher – etwa in der Geschwindigkeit eines Zombies (nicht die schnelle Sorte aus 28 Days later, sondern die langsame aus The Walking Dead). Trotzdem so schnell, wie ich in der ganzen Zeit im Krankenhaus nicht gelaufen war. Ich machte mir Sorgen, dass Kiwi im Auto weinen könnte und die beiden auf mich warten müssten, bevor wir los konnten. Wobei ich das Gefühl hatte auch nicht viel tun zu können, wenn sie weinen sollte. Das mit dem Stillen klappte noch nicht so ganz und wir fütterten zu, hatten aber für die Fahrt, die nur 15 Minuten dauerte, aber natürlich nichts dabei und sie vorsorglich im Krankenhaus gefüttert.

Endlich am Auto angekommen atmete ich erleichtert auf, als ich sah, dass sie schlief. Selbst der Kiwipapa wirkte nervös. Ich setzte mich zu ihr nach hinten ins Auto und wir fuhren los. Vorsichtig, sehr vorsichtig. Ich war aufgeregt und unsicher zugleich.

Zu Hause angekommen begrüßte mich erst einmal unser Kater, der mich nun schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte. Dummerweise konnte ich mich wegen der Narbe nicht bücken, um ihn richtig zu begrüßen. Ich begann diesen blöden Kaiserschnitt immer mehr zu verfluchen.

Drinnen angekommen stellten wir Kiwi im Maxi Cosi auf den Boden. Der Kiwikater kam sofort angelaufen und beschnupperte sie kurz – merklich verwirrt. Angespannt beobachtete ich die Situation, doch nach kurzem Schnuppern war der Spuk auch schon wieder vorbei und der Kater trottete nach draußen. Meine Mama war auch bereits da, weil mein Mann noch einmal losfahren musste, um einige Dinge zu besorgen (unter anderem Pre Nahrung) und ich mich noch nicht so gut bewegen konnte, um mich allein um Kiwi zu kümmern (ich habe dieses Gefühl gehasst). Mein Mann fuhr also mit einer Liste los, während Kiwi friedlich weiter schlummerte, nachdem wir sie auf das Sofa, eingehüllt in ein Stillkissen, gelegt hatten. Sie schien das alles viel cooler hinzunehmen als ich.

Dann kam der Horror-Anruf meines Mannes. Er hat keine Pre Nahrung bekommen. Nirgendwo. Mein Alptraum. Ich war den Tränen nahe.

Wie sich jedoch herausstellte, waren wir einem Irrtum unterlegen und sind davon ausgegangen, dass so etwas wohl in Apotheken verkauft werden würde (die hätten es auch bestellen können). Bei der letzten Apotheke bekam mein Mann jedoch den Tipp, einfach in einen Drogeriemarkt zu gehen. Warum einfach, wenn’s auch schwer sein kann? 😉 Da bekam er die Nahrung und ich atmete einmal tief durch. Erste Krise überstanden.

Beruhigt war ich trotzdem noch nicht. Ich glaube, ich hatte bis zu diesem Moment genau drei Momente, in denen ich mich am liebsten mit einer Decke über den Kopf in einer Ecke verkrochen hätte. Nach dem Schwangerschaftstest, nach der Geburt und in diesem Augenblick. Hier war kein Fachpersonal, das sofort zur Stelle war, wenn es Kiwi nicht gut gehen sollte (an mich selbst dachte ich seltsamer Weise gar nicht). Keiner, dem ich meine Lieblingsfrage „Ist das normal?“ stellen konnte – außer vielleicht dem guten, alten Google, aber dem konnte man auch nur bedingt trauen. Hatten wir auch wirklich alles, was wir brauchten? Und wie macht man überhaupt eine Flasche? Im Krankenhaus mussten wir immer nur klingeln und bekamen eine. Die Hebamme mussten wir auch noch anrufen und Bescheid sagen, dass wir doch einen Tag eher entlassen wurden als geplant. So Vieles ging mir durch den Kopf.

Und dann traf mich ein Gedanke wie ein Schlag: Was, wenn ich plötzlich krank werden sollte? Wenn sich die Narbe entzündet oder sonstige Komplikationen auftreten. Was wäre dann mit Kiwi? Könnte sie mit ins Krankenhaus? Ich fütterte zwar noch zu, aber stillte auch. Da wurde mir die Abhängigkeit, in die man sich durch das Stillen begibt, das erste Mal bewusst.

Ja, ich bin prinzipiell ein Mensch, der sich viele Gedanken macht. Aber Probleme versuche ich immer zu lösen und in den allermeisten Fällen gelingt mir das auch. Ich hätte mich vor Kiwis Geburt als sehr ausgeglichen bezeichnet. Ich machte mir zwar manchmal Sorgen, sah aber prinzipiell positiv in die Zukunft. Aber diese Zeit warf mich ziemlich aus der Bahn. Aber es sollte besser werden! 🙂

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